Pommes unterm Baum

Stressfreie Weihnachten

Weihnachten ist für viele Menschen mit einer ganzen Reihe von "Soll" und "Muss" verbunden.

Man soll mit der Familie feiern und das muss friedlich ablaufen. Man muss die Wohnung aufräumen und putzen und auf dem Tisch sollten das beste Geschirr und ein 5-Gänge-Menü stehen. Die Gäste sollen dabei keinen Handschlag tun müssen, wie viele es auch immer seien. Sie müssen bekocht, verwöhnt und bedient werden. Dabei sollte die Garderobe stimmen. Die Frisur nicht zu vergessen. Den entsprechenden Termin beim Friseur sollte man bereits Anfang November fix gemacht haben. Der Ablauf sollte wohl bedacht und organisiert sein. Bei einem perfekten Heiligabend sollte es nicht bleiben, an den Feiertagen muss man dann alle Stationen abklappern, die einen entsprechenden Besuch unbedingt erwarten. Auf dieser Tour sollte man dann den eigenen Anspruch, dass Gäste außer sich satt zu essen und sich nachschenken zu lassen, nichts zu tun haben, über Bord werfen. Man sollte etwas zum Essen beisteuern und darauf bestehen, sich nicht verabschieden, bevor nicht mindestens zwei Spülmaschinenladungen durchgelaufen sind. 

Konflikte, die das ganze Jahr über die Beziehungen mehr oder weniger belasten, sollen über die Feiertage vergessen und ausgeblendet werden. Man sollte gegenüber jedem freundlich, ausgeglichen, liebevoll und entspannt sein an Weihnachten. 72 Stunden lang. 

Eigene Sorgen soll man in diesen Tagen nicht ansprechen. Das zieht die anderen nur runter. Zur Not sollte man vielleicht ein Glas Sekt mehr trinken, aber die negativen Gedanken und Gefühle muss man dann einfach mal aus dem Spiel lassen. 

Geschenke müssen individuell, persönlich, einzigartig sein. Dabei sollen sie aber auch ökologischen,  pädagogischen und intellektuellen Anforderungen genügen. Über die Geschenke der lieben Angehörigen und Freunde muss man sich freuen, so wenig sie auch den eigenen Geschmack treffen - anmerken lassen soll man sich das nicht. 

 

Vielleicht treffen nicht alle Soll und Muss auf jeden Menschen zu. Wie viele es auch immer bei Ihnen sein mögen, falls Sie sich in einem oder mehreren der tradierten Allgemeinplätze wiedererkennen und die Ahnung haben, dass Sie Ihnen in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Feiertag vermiest haben, vielleicht möchten Sie in diesem Jahr mal ein Experiment machen: Schreiben Sie Ihre ganz persönlichen Soll und Muss auf ein Blatt Papier. Suchen Sie sich ein feuerfestes Plätzchen (Straße, Spülbecken, Kamin...) und verbrennen Sie den Zettel. Befreien Sie sich symbolisch von den gesellschaftlich und medial eingetrichterten Weihnachtsgeboten. Durch die symbolische Befreiung haben Sie innerlich womöglich plötzlich Platz, der zuvor vollgestopft war wie ein jahrelang vernachlässigter Keller (manch ein Schriftsteller überwindet auf diese Weise Schreibblockaden, die sich in Solls und Muss` begründen). Platz für Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Interessen zu Weihnachten. Platz für eine Gestaltung der Feiertage jenseits von in Stein gemeißelten Traditionen. Platz für die Freiheit und den Mut, etwas anders zu machen als es schon immer war und in der Fernsehwerbung propagiert wird. 

 

Sich zu Weihnachten was Gutes tun

Vielleicht tut es Ihnen gut, über die Feiertage neben der Familie auch Freunde zu sehen? Vielleicht Familie und Freunde an einen Tisch zu holen? Oder nur die engsten Freunde um sich zu haben? Womöglich möchten Sie mal Legobausteine statt Baststerne an den Baum hängen. Oder einen Blumenstrauß statt einen Baum. Vielleicht entspannt Sie der Gedanke an Currywurst und Burger für alle mehr als der an Ente mit Klößen. Vielleicht gibt es einen Sushi-Lieferservice, der auch Heiligabend  fleißig ist? Vielleicht wären Sie gerne alleine oder nur mit Ihrem Partner oder besten Freund zusammen. Vielleicht würden Sie die Wochen vor Weihnachten gelassener erleben, wenn Sie auf Geschenke verzichten oder für alle Ihre Lieben eine Spende tätigen, die Ihnen selbst besonders sinnvoll erscheint. Vielleicht wollten Sie schon immer mal Weihnachten auf Mallorca feiern (oder eben nicht feiern)? 

 

Traditionen sind wichtig und tun in vielen Momenten vielen Menschen gut. Aber nicht jedem und nicht in jedem Moment. Und nicht, wenn Sie als unantastbares Dogma erlebt werden. Soll und Muss machen uns unfrei, engen uns ein, führen leicht zu Stress und Enttäuschung. 

Mit ihnen zu brechen, sie zu verändern, kann abrupt auf den Tisch gebracht, in Ihrem engsten Kreis zu Unmut führen. Deshalb kann es hilfreich sein, schon vor den Feiertagen das offene Gespräch zu suchen. In Ruhe die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und im besten Falle sogar einen gemeinsamen Nenner zu finden - womöglich wird der eine oder andere Ihnen sogar dankbar sein, dass Sie es sind, der die Frage stellt, ob Weihnachten denn wirklich unbedingt sein muss wie es schon immer gewesen ist. 

 

Im Weihnachtsartikel 'Oh Du schwierige...' aus dem letzten Jahr finden Sie vielleicht auch eine Anregung, wenn das Problem nicht die Traditionen und abzuklappernden Programmpunkte sind, sondern vielmehr das Fehlen von Freunden und Familie und eines Programms. 

 

In jedem Falle wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine Weihnachtszeit, die Ihren aktuellen und persönlichen Bedürfnissen gerecht wird. Und danach einen gesunden, zuversichtlichen und versöhnlichen Start ins neue Jahr 2013. 

 

 

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