Definition und Beschreibung der Symptomatik

 

Bei einer Psychose können Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Verhalten eines Menschen derart verändert sein, dass er vorübergehend eine andere Realität erlebt als die Menschen in seiner Umgebung.  

 

Dies kann sich darin äußern, dass Sinneswahrnehmungen auftreten, ohne dass eine entsprechende Quelle in der Umgebung auszumachen ist. Betroffene hören zum Beispiel Geräusche oder Stimmen, die andere Anwesende nicht hören können. Ebenfalls möglich sind Trugwahrnehmungen im Bereich des Sehens, Fühlens, Schmeckens oder Riechens.  

 

Ein vorübergehender Verlust des Realitätsbezugs kann sich auch in der Überzeugung zeigen, von jemandem kontrolliert, verfolgt oder bedroht zu werden, Ziel einer Verschwörung oder Mittelpunkt einer Inszenierung zu sein.

Auch können bizarre Überzeugungen vorhanden sein, zum Beispiel im Kontakt zu Außerirdischen zu stehen oder eine berühmte Persönlichkeit zu sein.  

Auch der Eindruck, die eigenen Gedanken würden von außen eingegeben, andere Menschen könnten die eigenen Gedanken lesen oder das eigene Verhalten steuern, wirken für Außenstehende oftmals befremdlich. 

 

Das Denken selbst kann in seinem gewohnten Ablauf gestört sein, sodass es dem Betroffenen nicht mehr möglich ist, gedanklich einem roten Faden zu folgen, sein Denken zu strukturieren und gezielt auszurichten. Diese

Störungen können für Außenstehende beobachtbar werden, in manchen

Fällen sogar dazu führen, dass Aussagen des Betroffenen gar nicht mehr zu verstehen sind.  

 

Das emotionale Erleben ist bei Psychosen zuweilen stark reduziert, wechselhaft oder erscheint von außen als unpassend. Oftmals ist Angst vorherrschend, die zum Beispiel dadurch zustande kommt, dass der Betroffene sich verfolgt fühlt.  

 

Das Verhalten Betroffener kann zum Teil stark durch die beschriebenen Veränderungen beeinflusst sein.

Nicht selten ziehen Menschen mit einer Psychose sich massiv von ihren Freunden, ihrer Familie und ihren Bekannten zurück, beschäftigen sich mit schwer nachvollziehbaren Ideen und Fragestellungen oder sind in ihrer beruflichen und privaten Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt.  

 

Seltener können auch Bewegungsabläufe verändert sein. Betroffene zeigen zum Beispiel seltsam wirkende Gesichtsausdrücke, die an Grimassen erinnern oder nehmen über längere Zeit sehr ungewöhnliche Posen ein, ohne dass von außen ein Anlass dafür zu erkennen wäre.   

 

Psychosen können sehr vielfältige Erscheinungsformen haben, die hier dargestellten können nur einen Ausschnitt bilden. Nicht nur die oben beschriebenen Veränderungen können sich sehr unterschiedlich darstellen, es ist auch möglich, dass weniger diese auffälligen Symptome im Vordergrund stehen, sondern Betroffene sich gänzlich zurückziehen, das Interesse an ihrer Umgebung sowie eigenen Belangen verlieren, keine persönlichen Ziele mehr verfolgen, von außen wie „ausgeschaltet“ wirken.  

 

Um dem Umstand der Vielgestaltigkeit Rechnung zu tragen, spricht man heute nicht von „der Psychose“, sondern von Psychosen in der Mehrzahl.

Die diagnostische Einordnung psychotischer Symptome als „Schizophrenie“ ist nur eine mögliche aus dem Spektrum psychotischer Störungen. 

 

 

Entstehungshintergründe

 

Die Ursachen einer Psychose sind vielfältig und im Einzelfall ist davon auszugehen, dass immer mehrere Faktoren zusammenspielen.  

Generell kann man sagen, dass ähnlich wie zum Beispiel bei den Herz-Kreislauf- Erkrankungen eine Anfälligkeit vorliegt eine Psychose zu entwickeln, in der Fachsprache Prädisposition oder Vulnerabilität genannt.

Diese Anfälligkeit ist biologisch begründet, zum Beispiel durch genetische Faktoren oder schädliche Einflüsse vor, während oder nach der Geburt.

 

Derlei Faktoren können unter anderem bedingen, dass in einem Botenstoffsystem des Gehirns, dem Dopaminsystem, Abweichungen auftreten, die das Auftreten psychotischer Symptome mit sich bringen können.  

 

Je nachdem, wie stark diese Anfälligkeit ausgeprägt ist, kann die Erkrankung im Laufe des Lebens mehr oder weniger leicht durch äußere Belastungen und Stressfaktoren ausgelöst werden. Auch psychoaktive Substanzen können für anfällige Menschen einen Stressor darstellen und psychotische Symptome hervorrufen oder gar dazu führen, dass eine Psychose ausbricht. Im Besonderen sind dies Cannabinoide und Amphetamine. 

 

Darüber hinaus ist anzunehmen, dass bestimmte Umstände und Eigenschaften sich bei gegebener Anfälligkeit auch schützend hinsichtlich der Entwicklung einer Psychose auswirken. Die (erlernbare) Fähigkeit, Stress und Probleme positiv zu bewältigen zum Beispiel, kann einen solchen schützenden Faktor darstellen.  

 

 

Therapiemöglichkeiten

 

Eine Psychose kann jeden Menschen treffen, ca. vier von 100 Personen entwickelt einmal in ihrem Leben eine Psychose, wobei hier verschiedene Unterformen von Psychosen zusammengefasst sind.  

 

Die Behandlungsmöglichkeiten aus dem medizinischen und psychotherapeutischen Bereich sind heute sehr gut entwickelt. Insbesondere wirkt sich eine frühe Erkennung der Störung positiv auf Behandlungserfolg und Verlauf aus.  

 

Da eine Psychose in aller Regel nicht plötzlich auftritt, sondern meist schon Monate oder Jahre vor Ausbruch der Erkrankung Veränderungen im Erleben und Verhalten auftreten, die eine gezielte positive Beeinflussung der Beschwerden und eine Verhinderung ungünstiger Begleit- und Folgeerscheinungen der Erkrankung ermöglichen, können negative Verläufe heute oft verhindert werden.  

 

In der Regel ist eine medikamentöse Behandlung notwendig, um biologisch begründete Störungen im Botenstoffsystem des Gehirns auszugleichen.

Die zu diesem Zwecke eingesetzten Medikamente, sogenannte Neuroleptika oder Antipsychotika, sind in den vergangenen Jahren sehr verbessert worden und gehen heutzutage in der Regel mit geringeren unerwünschten Nebenwirkungen einher als früher. Die positiven Entwicklungen in diesem Bereich ermöglichen es, die Behandlung individuell auf die Bedürfnisse von Betroffenen, insbesondere auch von jungen Menschen, abzustimmen.  

 

Auch im Bereich der psychotherapeutischen Behandlung wurden wirksame 

Vorgehensweisen entwickelt. Begleitend zur medikamentösen Behandlung ist es in den meisten Fällen sinnvoll, im Rahmen einer Verhaltenstherapie über die Erkrankung ausführlich informiert zu werden und den individuell angepasst hilfreichsten Umgang damit zu entwickeln.

 

In manchen Fällen kann eine Strukturierung des Alltags, der Aufbau von positiven Aktivitäten und Kontakten sinnvoll sein, oder die Entwicklung von hilfreichen Verhaltensweisen zur Bewältigung von Stress und Belastungen. Zudem sollten die persönlichen Frühwarnzeichen und Risikofaktoren für ein mögliches neuerliches Auftreten der Symptomatik identifiziert werden.

Auf diese Weise ist es in Kombination mit einer medikamentösen Therapie 

gut möglich, weitere Episoden mit psychotischen Symptomen zu verhindern. 

 

 

Früherkennung

  

Als ehemalige Leitende Psychologin des Kölner Früherkennungs- und Therapiezentrums für psychische Krisen FETZ bin ich auf die frühe Erkennung von Anzeichen eines erhöhten Risikos für die Entwicklung einer Psychose sowie deren psychotherapeutische Behandlung spezialisiert.  

 

Einige dieser Anzeichen sind den oben geschilderten Symptomen noch nicht sehr ähnlich, sondern eher unspezifisch.

Zum Beispiel können Störungen von Aufmerksamkeit, Konzentration und Gedächtnis, Verschlechterung der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit oder der Erfüllung sozialer Rollen im Allgemeinen, sozialer Rückzug und Angst bereits Jahre vor dem Ausbruch einer Psychose auftreten.  

 

Dass sie unspezifisch sind, heißt jedoch auch, dass sie auch auf andere Probleme hindeuten können. Erst durch gezielte Diagnostik und die eingehende Betrachtung auch anderer Erlebens- und Verhaltensbereiche, der Biographie und der aktuellen Lebensumstände einer Person, wird eine fundiertere Aussage bezüglich eines erhöhten Psychoserisikos möglich. 

 

Andere mögliche Anzeichen für ein erhöhtes Psychoserisiko sind selbst  wahrgenommene Veränderungen und Beeinträchtigungen des Denkens (z.B. häufiges Fadenverlieren bzw. „abreißende“ Gedanken), Veränderungen der Wahrnehmung (z.B. erhöhte Reizempfindlichkeit oder Störungen im Sehfeld), der vage Eindruck, dass bestimmte Ereignisse in der Umgebung mit der eigenen Person zu tun haben, erhöhtes Misstrauen anderen Menschen gegenüber oder die zunehmende Beschäftigung mit esoterischen Inhalten, für die man sich bisher nicht interessierte.

 

Auch hier gilt, dass dies nur einen Ausschnitt möglicher Symptome darstellt, und dass auch diese Erlebnisse sorgfältig diagnostisch abgeklärt werden müssen, da sie ebenfalls nicht zwangsläufig auf ein erhöhtes Psychoserisiko 

hindeuten.  

 

 

Zum kostenfreien Download verfügbare Literatur für Betroffene und Angehörige

 

Bäuml, J. & Lambert, M. (2009). Psychosen erkennen, verstehen und behandeln. Ein Wegbegleiter für Betroffene und Angehörige. Michelstadt: vdm  verlag · didaktik · medien

 

Früh erkennen - früh behandeln. Neue Chancen für Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko.

 

Psychose: Wege aus der Isolation. Informationen für Patienten und ihre Angehörigen.

 

Arnhold, J. (2015), Psychotherapie bei Psychosen. Report Psychologie, 5, 2015. 

 

 

Informationen und Netzwerke online

 

Kompetenznetz Schizophrenie

 

Früherkennungs- und Therapiezentrum für beginnende Psychosen Berlin-Brandenburg

 

Kölner Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen FETZ 

 

Das FETZ bei facebook

 

Bonner Zentrum für Beratung und Behandlung bei erhöhtem Psychoserisiko ZeBB

 

Früherkennung und -behandlung psychotischer Erkrankungen FeZ Düsseldorf

 

Früherkennungs- und Therapiezentrum Aachen

 

Früherkennungs- und Therapiezentrum FETZ München

 

Früherkennungs- und Therapiezentrum FeTziG Göttingen

 

Spezialsprechstunde Früherkennung Bochum

 

Basler fepsy Projekt zur Früherkennung von Psychosen

 

Früherkennungs- und Therapiezentrum für psychische Krisen Bern