Feel bad? Appreciate!

Akzeptanz negativer Stimmung

Toni Bernhard, ehemalige Professorin für Recht an der University of California, Davis, ist chronisch erkrankt. Auf ihrem Weg zur psychischen Bewältigung des Krankseins fand sie Inspiration in der buddhistischen Lehre. Der Buddhismus ist in seiner Essenz eine Lehre von der seelischen Gesundheit, mit dem Ziel, Menschen in die Lage zu versetzen mit Leid und Herausforderungen umgehen zu können, die das Leben jedem von uns stellt. Toni Bernhard teilt ihre Erfahrungen als Autorin und Bloggerin. In einem aktuellen Blog-Artikel beschreibt sie ihren Umgang mit - unabhängig von ihrer Erkrankung  bestehenden - "schlechten Tagen". Den Tagen, an denen man einfach "den Blues" hat, die jeden Menschen treffen können, ganz egal wie seelisch stabil er üblicherweise ist. Egal wie reich an materiellen Gütern, unterstützenden Freunden und Angehörigen, jeder Mensch erlebt Belastungen und Leid und ist in mehr oder weniger starkem Maße durch seine bisherige Biographie und die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend geprägt (manchmal sind wir uns nicht einmal bewusst, warum eine bestimmte, im Grunde alltägliche Situation uns derart umtreibt - weil wir uns einer bestimmten Sensibilität nicht bewusst sind, die vielleicht aus einer Kränkung oder ausbleibenden Bedürfnisbefriedigung in der Kindheit herrührt). Und jeder Mensch hat ab und zu mehr oder weniger "schlechte Tage". 

 

Ein schlechter Tag mit gedrückter Stimmung, Abgeschlagenheit und Rückzugstendenzen hat nichts mit psychischer Erkrankung zu tun. Erst wenn sich diese Tage häufen oder über mehrere zusammenhängende Tage am Stück auftreten, das Wohlbefinden tiefergehend beeinträchtigen und sich erste negative Einflüsse auf soziale Beziehungen oder die Leistungsfähigkeit im Beruf abzeichnen, besteht Anlass zum Aufsuchen professioneller Hilfe. 

 

Allerdings können sich einzelne Tage, an denen negative Gedanken, trübe Stimmung, Reizbarkeit und Motivationstief uns plagen, obwohl sie an und für sich harmlos sind, ausdehnen. Und das umso eher, je engagierter wir versuchen, sie möglichst schnell wieder abzuschalten. Es ist ein Paradoxon der menschlichen Psyche, dass sich Gedanken und Gefühle, die wir am heftigsten zu unterdrücken und zu vermeiden versuchen, am hartnäckigsten Bahn brechen und festsetzen. Das bedeutet nicht, dass man sich als seelisch weitgehend stabiler Mensch in trauriger Stimmung und düsteren Gedanken unbedingt baden sollte. Es geht eher um eine an die buddhistische Lehre angelehnte Grundhaltung von Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeutet, das was ist wahrzunehmen, ohne es zu werten und verändern zu wollen. Es bedeutet Sein im Hier und Jetzt, nur bei der einen Sache, die wir als nichts mehr und nichts weniger benennen als als vorhanden. So auch die trübe Stimmung an einem miesen Tag. 

 

Im Einklang mit Ideen der Akzeptanz-Commitment-Therapie und der buddhistischen Meditation empfiehlt Toni Bernhard: Versuchen Sie nicht, sich aus dem Blues herauszukämpfen!  Bewerten Sie ihn nicht als falsch, störend, fehlerhaft oder schuldhaft. Bewerten Sie ihn gar nicht. Nehmen Sie wahr, dass er da ist, weiter nichts. Seien Sie der trüben Stimmung gegenüber genauso offen und wohlgesonnen wie jeder anderen Stimmung gegenüber - sie ist genauso Teil der Weite Ihrer Erlebnisfähigkeit wie Freude und Tatendrang. Sorgen Sie für sich wie an jedem anderen Tag, bestrafen Sie sich nicht auch noch für die trübe Stimmung. 

Aus Erfahrung wissen Sie, dass der schlechte Tag vorbei gehen wird. Löschen Sie in nicht als Lebenszeit aus ihrem Dasein, leben Sie trotz oder besser mit der schlechten Stimmung Ihren Tag, tun Sie was Ihnen wichtig ist, drücken Sie nicht auf Pause. Sie sind nicht Ihre Stimmung. Sie können etwas unternehmen, was Sie üblicherweise lachen, lächeln oder sich entspannen lässt, sinnvolle Aufgaben ausführen, mit Personen sprechen, die Ihnen wichtig sind, das Geschirr abwaschen, ein Stück Kuchen essen, ihre Lieblingsmusik hören oder was immer Ihnen sonst wichtig ist, obwohl Sie schlechter Stimmung sind. 

 

 

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