Laugher's high

Lachen ist gesund

Draußen wird es kälter und noch dazu ab heute schon nachmittags dunkel. Die Lust auf sportliche Aktivitäten - so denn unter günstigeren Bedingungen vorhanden - sinkt bei vielen Menschen. Eine Alternative, die über das ganze Jahr funktioniert: lachen! Sich von Herzen zu amüsieren beansprucht um die 300 Muskeln, treibt Herzschlag und Blutdruck in gesunde, durchblutungsförderliche Höhen und geht, wenn das lachen abebbt, direkt in einen tiefenentspannten Zustand über. 


Rein physiologisch betrachtet, mehren sich in den letzten Jahren Hinweise aus wissenschaftlichen Studien, dass lachen nicht nur dem Volksmund nach die beste Medizin ist. Obgleich es sich oft um einzelne Studien mit geringen Teilnehmerzahlen handelt, zeichnet sich doch ab, dass lachen die Ausschüttung körpereigener Glückshormone (Endorphine) steigert, die Produktion und Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin reduziert, körperliche Regeneration fördert, Muskelverspannungen löst, langfristig den Blutdruck senkt, die Immunabwehr stärkt und die Schmerzempfindlichkeit senkt. Der britische Psychologe Robin Dunbar von der University of Oxford veröffentlichte jüngst aktuelle Ergebnisse zu diesem letztgenannten Zusammenhang zwischen lachen und körperlichem Schmerzerleben. 


Dunbar und seine Kollegen maßen zunächst die Schmerzschwelle ihrer Versuchspersonen, indem sie sie (harmlosen, aber durchaus schmerzhaften) Druck- und Kältereizen aussetzten. Für jede Versuchsperson wurde festgehalten, ab wann sie den graduell steigenden Druck einer Blutdruckmanschette oder die graduell sinkende Temperatur einer Weinkühlermanschette am Arm als schmerzhaft empfanden. Im Anschluss sahen die Versuchspersonen entweder eine Reihe sachlich aufbereiteter Dokumentationen oder lustiger Comedyshows an. Ein Teil der Versuchsteilnehmer sah die Videos alleine, ein anderer Teil in einer Gruppe mit anderen Teilnehmern zusammen an. Gemessen wurde die Kontraktion der Bauchmuskeln als physiologisches Korrelat des Lachens. Im letzten Teil des Experiments wurde erneut die Schmerzschwelle der Versuchspersonen gemessen. Es zeigte sich, dass diese sich beim Doku-Publikum nicht verändert hatte, während sie bei den Zuschauern der Comedyshows gestiegen war - in Abhängigkeit davon wie herzlich sie gelacht hatten. Gegenüber den einsam Fernsehenden mehr und ausgelassener gelacht hatten diejenigen Teilnehmer, die die lustigen Videos in einer Gruppe angeschaut hatten.

Aus früheren Studien wusste Dunbar bereits, dass gemeinsames Workout zu höherer Endorphinausschüttung führt als alleine zu trainieren, analog zum stärker analgetischen Effekt des gemeinsamen Lachens in der aktuellen Studie. Lachen ist ein soziales Phänomen, es steckt an. Und macht - den Studienergebnissen zufolge - härter im Nehmen beziehungsweise schmerzresistenter. Ein Effekt, der auch von regelmäßigen Läufern als "runner's high" bekannt ist, einem Zustand der mutmaßlich aufgrund der erhöhten Endorphinausschüttung während des Laufens mit erhöhter Schmerzresistenz und euphorischem Glücksgefühl verbunden ist. Indirekt folgert Dunbar aus dem Phänomen der reduzierten Schmerzempfindlichkeit bei erhöhter Endorphinausschüttung beim Laufen, dass auch lachen die Endorphinausschüttung erhöht und somit als nebenwirkungsfreies Schmerzmittel wirkt. Jetzt wo die Tage kürzer und kälter werden, scheint ein lustiger Abend mit Freunden den Ergebnissen zufolge also durchaus eine Alternative zur Verabredung zum Joggen - zumindest was den Endorphineffekt des Laufens angeht, Muskelwachstum ist nach bisheriger Erkenntnislage wohl nicht zu erwarten. 

 

Lachen

Aber nicht nur Glücksgefühl und Schmerzlinderung hat das herzhafte Lachen zu bieten. Der Schriftsteller und Journalist Hans-Horst Skupy versteht lachen so trefflich als "Fortsetzung des Denkens mit anderen Mitteln". Wenn wir überraschend über etwas lachen müssen, wird das kontrollierte Denken unterbrochen, was neue Perspektiven eröffnen, eingefahrene Denkmuster durchbrechen und die Kreativität der Einfälle fördern kann. Lachen ermöglicht es, einen Schritt von der bekannten Sichtweise und den gewohnten Bahnen der eigenen Gedanken zurückzutreten und damit zum Beispiel auch auf ein ernsthaftes Problem einmal anders blicken zu können als bisher und damit neue Problemlösungen zu ermöglichen. Auch die Schwelle für emotionalen Schmerz kann zumindest für den Moment gesteigert werden. In Krisen und belastenden Lebenssituationen oder bei schweren seelischen Erkrankungen besteht die größte Belastung häufig darin, dass Betroffene das Gefühl haben, sich an nichts mehr freuen zu können und das Lachen sich selbst dann kaum einstellen mag, wenn etwas Schönes passiert, das einen früher einmal erfreut hat. Doch wenn ein empathisches Gegenüber es versteht, den Schmerz und das Leid wirklich mitzufühlen, kann es mitunter auch bei seelischer Belastung die beste Medizin sein, im richtigen Moment zum lächeln oder gar zum lachen gebracht zu werden. Das Problem, das in diesem Moment belastet, ist damit nicht gelöst, aber möglicherweise öffnet sich ein Fenster, zu dem ein neuer Gedanke, eine neue Perspektive hereinkommen und sich zumindest zu den bisherigen hinzugesellen kann. Lachen kann somit den Horizont erweitern. "Laugher's high", zumindest kurzfristig, inklusive. 

 

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