Update Burnout

Positionspapier Burnout

Die Mythen um das Thema Burnout alarmieren Experten aus dem Bereich seelische Gesundheit in den letzten Monaten zunehmend (siehe auch Vom Rampenlicht ins Sezierlicht).

Obgleich seine Medientauglichkeit erfreulicherweise prinzipiell eine Tür zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen geöffnet hat, muss nun zur Vermeidung der Anwendung falscher Therapien und zur Verhinderung einer neuen Stigmatisierung durch die unsachgemäße Einteilung in Burnout als "Krankheit der Fleißigen" und anderen psychischen Störungen als "Zeichen persönlicher Schwäche" ein differenzierterer sachkundiger Blick auf das Thema auch der breiten Öffentlichkeit ermöglicht werden.

 

Das aktuelle Positionspapier einer Expertenkommission der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bildet einen ersten Ansatzpunkt für einen aufgeklärten Umgang mit dem Burnout-Begriff.

 

Die Expertenkommission warnt vor "unwissenschaftlichem und unkritischem Gebrauch des Begriffs Burnout für quasi sämtliche psychische Störungen, die im Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung stehen (...) Vor allem droht bei der Gleichstellung des schweren und oft lebensbedrohlichen Krankheitsbilds der Depression mit Burnout eine gefährliche Unter- und Fehlversorgung der Betroffenen."

Burnout ohne die Verankerung und den Bezug zur international verbindlichen Klassifikation körperlicher und psychischer Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation besteht laut Expertenmeinung "die Gefahr, dass bestbelegte therapeutische Möglichkeiten zum Schaden der Patienten nicht angewandt werden", wenn zum Beispiel depressive oder Angststörungen fälschlicherweise als Burnout bezeichnet werden. Auch viele körperliche Erkrankungen können Burnout-ähnliche Beschwerden hervorrufen, die jedoch eine gänzliche andere Form der Hilfe verlangen würden. 

Das Positionspapier expliziert und fundiert die zunehmend laut gewordenen Warnungen von Mental Health Experten den Begriff Burnout inflationär und fälschlich zu verwenden, betont jedoch auch, dass Therapien psychischer Erkrankungen, die durch arbeitsbezogene Faktoren mitbedingt werden, diese zum Beispiel durch Kooperationen mit Arbeitgebern und Betriebsärzten künftig stärker fokussieren sollten. Außerdem sollten Burnout-Beschwerden an sich präventiv angemessen beachtet werden. Diese Beachtung und die Realisierung von Hilfen sollten bei Betrieben, Krankenkassen und Sozialpartnern liegen. Darüber hinaus müssen Betroffene und potentiell Betroffene selbst durch wissenschaftlich fundierte gesundheitliche Aufklärung in die Lage versetzt werden, ihr Risiko zu senken und schützende Faktoren und Ressourcen im Sinne der Prävention möglicher Folgeschäden zu stärken.

Die gezielte empirische Forschung zur Etablierung fundierter präventiver und gegebenenfalls therapeutischer Angebote wird als unbedingt notwendig betont.

 

Aus Sicht der Praktiker wäre zu ergänzen, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die es uns als Psychotherapeuten ermöglichen, eine fundierte Differentialdiagnostik durchzuführen, festzustellen, ob eine Erschöpfungssyndrom oder eine spezifische psychische Störung vorliegt, bevor über die Empfehlung individueller präventiver Maßnahmen oder einer spezialisierten Psychotherapie entschieden wird. 

 

Das 15-seitige Positionspapier der Expertenkommission gibt es inzwischen hier zum Download. 

 

 

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