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Therapie unabhängig vom Aufenthaltsort

Stellen Sie sich vor, Sie leben zeitweilig oder dauerhaft im Ausland, vielleicht mit einem völlig anderen kulturellen Hintergrund. Oder Sie müssen Beratungsprozesse immer wieder aufgrund beruflich bedingter Abwesenheiten unterbrechen. Oder Sie leben in einer Gesellschaft, die es insbesondere für Frauen unmöglich macht, sich an eine unabhängige Stelle zu wenden und sich beraten oder unterstützen zu lassen. Auch wenn Menschen aufgrund von Alter oder Krankheit körperlich eingeschränkt sind, kann es eine große Hürde bedeuten, eine solche Institution aufzusuchen. 

 

Das Internet bietet in den Bereichen Beratung und Psychotherapie wertvolle Perspektiven: unabhängig von Aufenthaltsort und Mobilität ist der Kontakt zu Fachleuten möglich. Die konkreten Anwendungsbereiche wachsen zunehmend. Von Angeboten, die auf eine Prävention psychischer Erkrankungen abzielen, über Nachsorge nach Abschluss einer Therapie bis hin zu vollständig online abgewickelten Beratungen und Therapien. Auch die Fortführung therapeutischer Kontakte während Klinikaufenthalten oder bei schwerer oder länger andauernder körperlicher Erkrankung wird leicht umsetzbar. 

 

Neben der Unabhängigkeit von Zeit und Ort bieten Online-Angebote über Speicherplattformen, Mail oder Chat den Vorteil, dass sie für viele Menschen ein etwas leichterer erster Schritt sein können, überhaupt Rat und Hilfe zu suchen, als einen Psychologen direkt aufzusuchen. Zum einen ist er pragmatisch einfacher umzusetzen, zum anderen fällt es vielen Menschen leichter über ihre Probleme und Belastungen zunächst zu schreiben, ohne ein unmittelbares Gegenüber zu haben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Probleme schambesetzt sind oder Unsicherheiten im Sozialkontakt bestehen. Auch wenn eine bestehende psychische Erkrankung, zum Beispiel eine Angststörung oder Zwangsstörung sehr stark ausgeprägt ist und es eine sehr große Belastung wäre, überhaupt das Haus zu verlassen oder fremde Menschen zu kontaktieren, kann eine Online-Beratung ein erster Schritt sein, der Betroffene dabei unterstützt, sich in eine konventionelle Therapie zu begeben. Letztlich profitieren auch Menschen, die sich in Bezug auf ihre Beschwerden oder Probleme nicht sicher sind, ob sie überhaupt einer Beratung oder Behandlung bedürfen. Oder aber, wenn es sich um Schwierigkeiten handelt, die eher punktuell und einmalig zu lösen sind, wobei man sich vielleicht professionelle Unterstützung wünscht. 


Den Therapeuten online treffen

Die von einigen Fachleuten zunächst befürchtete Einschränkung bezüglich des Aufbaus einer für eine erfolgreiche Beratung oder Therapie entscheidenden vertrauensvollen und positiven Beziehung zum Psychologen, scheint nach bisheriger Studienlage zum Thema nicht existent zu sein. Auch wenn der Kontakt nur schriftlich ist, entsteht eine tragfähige vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Ratsuchendem und Therapeut; ein Ausbleiben dieser Entwicklung ist bei Online-Prozessen nicht häufiger zu beobachten als in konventionellen Settings. 

 

Ganz sicher müssen jedoch bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein. Abzuraten ist von reinen Online-Kontakten ganz entschieden bei schwergradiger Symptomatik (mit der Ausnahme einer Übergangslösung bei oben genannten Ängsten und Zwängen), komplexen oder Mehrfach-Erkrankungen sowie selbstschädigendem Verhalten oder akuter Suizidalität beim Betroffenen. Sollten die ersten Kontakte Hinweise auf eine solche Konstellation geben, sollte unbedingt ein sofortiger Übergang in ein face-to-face Setting realisiert werden. 

Auch ist grundsätzlich von Angeboten abzuraten, die rein virtuell konzipiert sind, bei denen es also nicht zu Kontakten mit einem realen Psychologen, Arzt oder Psychotherapeuten kommt, sondern die Hinweise und Rückmeldungen durch ein Computerprogramm generiert werden. Derlei Angebote erwiesen sich in bisherigen Untersuchungen als weniger wirksam.

 

Auch hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit und Integrität der übertragenen Daten sollten gewisse Standards erfüllt sein. Eine wertvolle Orientierung über Qualität, Güte und Sicherheit eines Angebots liefert im Beratungsbereich zum Beispiel das unabhängige Gütesiegel des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen BDP. 

Damit gewährleistet ist, dass der Berater Ihr Problem zuverlässig und qualifiziert einschätzen kann und in der Lage ist zu beurteilen, ob eine Online-Intervention ausreichend ist oder eine andere Form der Behandlung medizinisch notwendig ist, sollten nur Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte derlei Angebote durchführen oder zumindest als Supervisoren im Hintergrund auf die richtige Einschätzung einer Problematik achten.  

 

Deutsche Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für sogenannte E-Mental-Health Angebote bisher noch nicht, sie müssen vom Ratsuchenden selbst getragen werden. Eine Ausnahme bilden in der Regel wissenschaftlich im Rahmen von Wirksamkeitsstudien begleitete Therapien, wie zum Beispiel ein Projekt der Universität Leipzig für Menschen, die an einer Binge Eating Störung mit wiederkehrenden Essanfällen leiden. 

Informationen zu Online-Angeboten von psyberlin finden Sie bei Interesse hier

 

 

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