Trübe Tage, trüber Sinn?

Eine bestimmte Form der Depression, die sogenannte saisonal abhängige Depression (SAD) oder Winterdepression, tritt ausschließlich während den Monaten auf, in denen die Anzahl an Tageslichtstunden gegenüber Frühjahr und Sommer herabgesetzt ist. 

Der Zusammenhang zwischen Lichtmangel und depressiver Verstimmung ist für diese spezifische Unterform der Depression nachgewiesen. Die Einwirkung von Licht einer bestimmten Stärke ist unter anderem für die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin notwendig. Beide körpereigenen Substanzen sind am Ausgleich unserer Stimmungslage und der Fähigkeit, Freude und Glück empfinden zu können, beteiligt. Aus diesem Grund ist die sogenannte Lichttherapie mit speziellen Leuchtquellen einer Stärke von mindestens 2500 Lux ein zentraler Baustein in der Behandlung einer SAD. 

In Deutschland fühlen sich ca. 800.000 Menschen während der Wintermonate hinsichtlich Stimmung, Antrieb und Energie derart beeinträchtigt, dass Lebensqualität und Leistungsfähigkeit bedeutsam eingeschränkt sind. Hinzu kommen Menschen mit minderschweren, aber dennoch belastenden Beschwerden. 

 

Betroffene einer SAD sollten sich in fachärztliche und psychotherapeutische Behandlung begeben. 

Für diejenigen, die unter gewisser Stimmungstrübung und Energiemangel leiden, sich aber nicht deutlich in ihrem Alltag eingeschränkt fühlen, können jedoch schon kleine Maßnahmen dem Novemberblues entgegenwirken. Auch Betroffene einer SAD können durch bestimmte Verhaltensweisen einer erneuten depressiven Entwicklung entgegenwirken, was jedoch immer mit einem Arzt oder Therapeuten abgesprochen und durch spezifische Behandlungsstrategien ergänzt werden sollte. 

 

Das Berliner Bündnis gegen Depression empfiehlt, auch an grauen und trüben Tagen im Freien körperlich aktiv zu sein, sich auch im Winter täglich an der frischen Luft aufzuhalten und zu bewegen, da das Tageslicht eine deutlich bessere Wirkung auf die Stimmung hat als das gewöhnliche elektrische Licht in geschlossenen Räumen. Die Bewegung unterstützt die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin zusätzlich - Läufer kennen dieses Phänomen als individuell mehr oder weniger stark ausgeprägtes runner's high, das Glücksgefühl, dass sich im Laufe der Strecke einstellt. Sie müssen allerdings keinen Marathon laufen, um eine positive Wirkung zu erzielen! 

Betroffene einer SAD sollten, falls sie die Möglichkeit haben, durchaus auch einen Urlaub in südlichen Regionen in Erwägung ziehen - auf der Südhalbkugel ist die Auftretensrate der SAD aufgrund der veränderten Tageslichtrate drastisch niedriger als auf der Nordhalbkugel. 

 

Essen Sie Nüsse, Bananen, Linsen, Trockenfrüchte, Kartoffeln, Nudeln und Schokolade: die enthaltenen Kohlehydrate und Mineralstoffe fördern ebenfalls die Serotoninausschüttung. 

 

Sollten Sie alleine leben, verabreden Sie sich regelmäßig - soziale Kontakte und soziale Unterstützung schützen ebenfalls vor einer depressiven oder depressionsähnlichen Entwicklung. Einsamkeitsgefühle hingegen stehen nicht selten am Anfang einer solchen. Wenn Ihr Bekanntenkreis nicht so groß oder vor Ort sein sollte, versuchen Sie es doch mal mit einer Sportgruppe oder einem Verein in Ihrer Nähe, in dem Sie auch neue Kontakte knüpfen könnten. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen Ihres Interesses oder gemeinnützigen Initiativen besteht die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen. 

 

Sollten Sie in Betracht ziehen, an irgendeiner Form der Depression zu leiden, lassen Sie sich diesbezüglich gerne persönlich beraten. Nur ein geringer Anteil der Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, wird rechtzeitig und adäquat behandelt. Eine verzögerte oder unzureichende Therapie kann sich jedoch negativ auf Lebensqualität und Verlauf auswirken. Es gibt sehr wirksame Behandlungsmethoden, die Ihr Leiden lindern können. Eine Depression ist nicht, wie häufig angenommen wird, nur eine Befindlichkeitsstörung, für deren Überwindung man sich bloß mal "zusammenreißen" müsste, sondern eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. 

 

Zum Abschluss etwas, was Sie vielleicht ebenso wie mich erheitern mag: ironischerweise wurde das Bild zum Artikel im Sommer dieses Jahres aufgenommen - die Tipps, gesund über Herbst und Winter zu kommen können also auch aus dieser Sicht ruhig das ganze Jahr beherzigt werden! 

 

Meldungen über neue Blog-Artikel regelmäßig erhalten via facebook (der "gefällt mir Button") und twitter (der "follow" Button).


Kommentar schreiben

Kommentare: 0