Definition und Beschreibung der Symptomatik

 

Die Anpassungsstörung wird nicht allein über ihre Symptomatik definiert - diese beinhaltet häufig Depressivität, Sorgen und Ängste, Anspannung, Gereiztheit und andere Abweichungen in bisher gewohnten emotionalen Reaktionen sowie zuweilen eine Veränderung des Verhaltens in sozialen Beziehungen - sondern auch darüber, dass diese Symptome sich nach einem belastenden Lebensereignis oder einer Veränderung der Lebensumstände entwickeln. 

 

Häufig sind die erwähnten Symptome eher diffus oder in ihrer Ausprägung und Kombination etwas anders als im Rahmen einer Depression oder Angststörung, sodass keine dieser spezifischen Diagnosen auf das Beschwerdebild wirklich zutreffen würde. Die Symptome und der Leidensdruck im Rahmen einer Anpassungsstörung können jedoch immens sein und unter Umständen sogar mit Suizidalität einhergehen. Daher besteht dringliche Behandlungsbedürftigkeit!

 

 

Entstehungshintergründe 

 

Ereignisse wie Unfälle, Krankheiten, Trennungen und Trauerfälle, Arbeitsplatzverlust, Umzug, Migration oder Flucht sowie Schwellensituationen wie der Beginn einer Ausbildung oder der Eintritt in den Beruf, verlangen von jedem Menschen eine mehr oder weniger schwierige Bewältigungsleistung. Wir müssen uns an veränderte Umstände, Belastungen und Veränderungen "anpassen", diese Ereignisse verarbeiten und uns selbst innerhalb dieser veränderten Umstände neu positionieren. 

 

Manchmal sind diese Bewältigungsanforderungen so schwierig - oder erwischen einen Menschen in einer ohnehin geschwächten Ausgangslage - dass die notwendige Neuorientierung zunächst nicht oder nicht vollständig stattfinden kann. Die Anpassung an die neue Situation ist durch irgendetwas "gestört". Vielleicht fehlen auch bestimmte Fertigkeiten, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie einst benötigen würde, sodass die selbständige Neuorientierung erst einmal kaum möglich ist. 

 

Manchmal finden sich auch bestimmte Hintergrundbelastungen, die einen Menschen besonders anfällig dafür machen, auf ein Ereignis mit psychischen Beschwerden zu reagieren, während eine andere Person mit demselben Ereignis beschwerdefrei umgehen kann.

Angenommen, jemand hat sehr früh eine wichtige Bezugsperson verloren oder wurde von ihr getrennt, dann sind diesem Menschen seine späteren Bezugspersonen und die stabile Verbindung zu ihnen womöglich besonders wichtig. Muss diese Person nun zum Beispiel berufsbedingt in eine fremde Stadt ziehen und ihren Bekannten- und Freundeskreis zurücklassen, löst diese Veränderung möglicherweise eher negative Gedanken an Verlassenheit und Gefühle von Einsamkeit aus als bei bei einer Person, die nie einen Verlust erfahren hat und sich auf die Stabilität ihrer Verbundenheit zu anderen Menschen etwas selbstverständlicher verlassen kann. 

  

 

Therapiemöglichkeiten

 

Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie sind bei Anpassungsstörungen wirksam.

In der Therapie werden zur Linderung der Symptome Behandlungsstrategien flexibel und individuell miteinander kombiniert, wie sie in der Therapie von Depression, Angststörungen und Traumafolgestörungen bewährt sind. 

 

Sollte die belastende Situation noch andauern und in irgendeiner Form veränderbar sein, sollte sie zunächst mit Hilfe des Therapeuten so umgestaltet werden, dass die unmittelbare Belastung unterbunden wird. Ist dies nicht möglich, bietet der Therapeut einen sicheren Schutzraum, zum Beispiel in Form engmaschiger Kontakte und des gemeinsamen Erarbeitens von Maßnahmen zur Bewältigung akuter Belastungen. 

 

Ein wichtiger Baustein in der Behandlung einer Anpassungsstörung ist es, den Betroffenen darin zu unterstützen, eigene Stärken und Ressourcen (wieder-) zu entdecken, die ihm oder ihr eventuell in der Neuorientierungsphase helfen können. Auch das Erarbeiten und Einüben neuer Strategien zum Entspannen, Beruhigen, Bewältigen negativer Gefühle sowie zum Sichten, Strukturieren und Lösen von Problemen ist zentraler Bestandteil der Behandlung.

 

Letztlich geht es auch darum, Geschehenes oder die neue Lebenssituation in die eigene Biographie und das Selbstbild zu integrieren. Das bedeutet auch, gemeinsam mit dem Therapeuten Perspektiven für ein Leben innerhalb der neuen Lebenssituation oder mit dem belastenden Ereignis als Teil der eigenen Lebensgeschichte zu entwickeln.  

 

Eine begleitende pharmakologische Behandlung ist in den meisten Fällen nicht indiziert. 

 

 

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