Di

18

Okt

2011

Macht Urlaub depressiv?

Ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Gefühle von Überforderung und gedrückte oder gereizte Stimmung können ebenso wie Kopfschmerzen, Bauchbeschwerden und Rückenprobleme erste Anzeichen einer depressiven Entwicklung sein. 

 

Bei vielen Menschen rufen solche Veränderungen den Wunsch nach einer Auszeit und ausgiebiger Erholung hervor. Sicherlich ist der Titel dieses Artikels überzogen provokant formuliert - nicht zuletzt, um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf das wichtige Thema Depression zu lenken. Allerdings können sich erste Symptome einer Depression im Urlaub tatsächlich verschlimmern. Dem ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf nachzugeben, kann zu einer Verstärkung des Wunsches nach Schlaf und Rückzug, der gedrückten Stimmung und auch eventuell vorhandener körperlicher Symptome führen, die in der Ferne zudem nicht durch gewohnte Strukturen und soziale Netzwerke aufgefangen werden kann. Aktuell warnt auch Experte Professor Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe in der Presse vor der Suche nach Abhilfe gegen depressive Symptome durch die "Flucht in den Urlaub".

 

Ein ähnlich paradoxes Phänomen besteht darin, dass depressive Symptome sich im Frühjahr und Sommer verschlechtern können. Dies hat zum einen damit zu tun, dass lange Monate mit reduzierter Tageslichtexposition vorausgegangen sind. Zum anderen spielt ein gewisser Druck eine Rolle, der entsteht, wenn Sonne und Himmel um die Wette strahlen und das gesamte Umfeld darüber äußerst begeistert zu sein scheint. Die Diskrepanz zwischen den äußerlich so positiven Begebenheiten und dem eigenen von Niedergeschlagenheit und negativen Gedanken geprägten inneren Erleben, ist sehr groß. Die eigene depressive Stimmung wird dem Betroffenen bewusster und für Außenstehende weniger nachvollziehbar als die gleichen Beschwerden bei kalter, düsterer Witterung. Passend zu diesem Paradoxon ist nachgewiesen, dass die höchste Anzahl von Suiziden und Suizidversuchen im Frühling und im beginnendem Sommer zu beklagen ist. 

 

Anzeichen einer Depression rufen verständlicherweise den Wunsch nach einer Auszeit und nach Erholung hervor. Urlaub und Umgebungswechsel sind bei klinisch relevanten Symptomen jedoch keine adäquate Hilfe. Das Wissen um die möglicherweise paradoxe Wirkung eines Urlaubs kann davor bewahren, allzu enttäuscht oder schockiert über die langfristig ausbleibende Besserung zu sein und den Fehler gar bei sich selbst zu suchen.

 

Wenn Sie unter Veränderungen der Stimmung, des Schlafes oder des Appetits, Müdigkeit, Gefühlen von Überforderung, Hoffnungslosigkeit oder reduziertem Selbstwertgefühl, Konzentrationsstörungen oder ungeklärten körperlichen Beschwerden leiden, nehmen Sie gerne zum Zweck einer Beratung unverbindlich Kontakt zu mir auf. Näheres zum Thema Depression auch im Infobereich.

 

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