Mit psyberlin biete ich als Psychologin und Psychotherapeutin

in Berlin Psychotherapie, Coaching und Seminare sowie überregionale Online-Beratung an. 

 

Ziele dieses Angebots sind Erhalt und Verbesserung Ihrer seelischen Gesundheit, Ihrer persönlichen Ressourcen und Möglichkeiten. Im Zentrum stehen individuelle und kreative Lösungen, zugeschnitten auf die immer ebenso individuellen Fragestellungen.

 

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Sa

19

Mai

2012

Update Burnout

Die Mythen um das Thema Burnout alarmieren Experten aus dem Bereich seelische Gesundheit in den letzten Monaten zunehmend (siehe auch Vom Rampenlicht ins Sezierlicht).

Obgleich seine Medientauglichkeit erfreulicherweise prinzipiell eine Tür zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen geöffnet hat, muss nun zur Vermeidung der Anwendung falscher Therapien und zur Verhinderung einer neuen Stigmatisierung durch die unsachgemäße Einteilung in Burnout als "Krankheit der Fleißigen" und anderen psychischen Störungen als "Zeichen persönlicher Schwäche" ein differenzierterer sachkundiger Blick auf das Thema auch der breiten Öffentlichkeit ermöglicht werden.

 

Das aktuelle Positionspapier einer Expertenkommission der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde bildet einen ersten Ansatzpunkt für einen aufgeklärten Umgang mit dem Burnout-Begriff.

 

Die Expertenkommission warnt vor "unwissenschaftlichem und unkritischem Gebrauch des Begriffs Burnout für quasi sämtliche psychische Störungen, die im Zusammenhang mit einer Arbeitsbelastung stehen (...) Vor allem droht bei der Gleichstellung des schweren und oft lebensbedrohlichen Krankheitsbilds der Depression mit Burnout eine gefährliche Unter- und Fehlversorgung der Betroffenen."

Burnout ohne die Verankerung und den Bezug zur international verbindlichen Klassifikation körperlicher und psychischer Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation besteht laut Expertenmeinung "die Gefahr, dass bestbelegte therapeutische Möglichkeiten zum Schaden der Patienten nicht angewandt werden", wenn zum Beispiel depressive oder Angststörungen fälschlicherweise als Burnout bezeichnet werden. Auch viele körperliche Erkrankungen können Burnout-ähnliche Beschwerden hervorrufen, die jedoch eine gänzliche andere Form der Hilfe verlangen würden. 

Das Positionspapier expliziert und fundiert die zunehmend laut gewordenen Warnungen von Mental Health Experten den Begriff Burnout inflationär und fälschlich zu verwenden, betont jedoch auch, dass Therapien psychischer Erkrankungen, die durch arbeitsbezogene Faktoren mitbedingt werden, diese zum Beispiel durch Kooperationen mit Arbeitgebern und Betriebsärzten künftig stärker fokussieren sollten. Außerdem sollten Burnout-Beschwerden an sich präventiv angemessen beachtet werden. Diese Beachtung und die Realisierung von Hilfen sollten bei Betrieben, Krankenkassen und Sozialpartnern liegen. Darüber hinaus müssen Betroffene und potentiell Betroffene selbst durch wissenschaftlich fundierte gesundheitliche Aufklärung in die Lage versetzt werden, ihr Risiko zu senken und schützende Faktoren und Ressourcen im Sinne der Prävention möglicher Folgeschäden zu stärken.

Die gezielte empirische Forschung zur Etablierung fundierter präventiver und gegebenenfalls therapeutischer Angebote wird als unbedingt notwendig betont.

 

Aus Sicht der Praktiker wäre zu ergänzen, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die es uns als Psychotherapeuten ermöglichen, eine fundierte Differentialdiagnostik durchzuführen, festzustellen, ob eine Erschöpfungssyndrom oder eine spezifische psychische Störung vorliegt, bevor über die Empfehlung individueller präventiver Maßnahmen oder einer spezialisierten Psychotherapie entschieden wird. 

 

Das 15-seitige Positionspapier der Expertenkommission gibt es inzwischen hier zum Download. 

 

 

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So

06

Mai

2012

Reden ist Silber, Fühlen ist Gold

Wider besseren Wissens immer wieder wegen der gleichen Dinge mit Partner und Freunden in Streit geraten, sich dem Chef unterordnen statt für eigene Rechte einzutreten, aus Unsicherheit auf der Party kein Wort sagen, die Tafel statt dem Stück Schokolade essen oder mit perfektionistischem Anspruch und hoher Anspannung an das nächste berufliche Projekt gehen: oftmals handeln wir wie ferngesteuert, obwohl wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben. 

 

Die meisten Menschen haben schon einmal die Erfahrung gemacht, dass sie durch reflektierende Gespräche und Überlegungen verstandesmäßig erfasst haben, dass ein bestimmtes Verhalten ungünstig ist, rational und felsenfest beschlossen haben es zu ändern, und dann in der nächstbesten Situation genauso handeln wie eh und je, als hätte nie zuvor eine kritische Auseinandersetzung stattgefunden. Ein herber Schlag für viele Veränderungsambitionierte! Hat man sich doch so mühsam und bewusst und analytisch vertieft in Zusammenhänge, Ursachen, Konsequenzen, Erklärungen, Pros, Contras, Alternativen und Perspektiven. Und das nur um nachher wie auf Knopfdruck wieder das alte Programm abzuspielen? Genau. Denn das Programm sitzt im emotionalen Zentrum unseres Gehirns, dem sogenannten limbischen System, während logische Analyse und vernunftmäßige Veränderungsentscheidung in der Großhirnrinde (Cortex) vollzogen werden. 

 

Das limbisches System entsteht noch vor der Geburt, cortikale Strukturen erst danach, zuletzt das Frontalhirn im Stirnbereich, wo Prozesse des Problemlösens, Planens und Entscheidens ablaufen. Viele unserer Verhaltensweisen werden durch länger zurückliegende emotionale Erfahrungen entscheidend mit beeinflusst, die vorrangig im limbischen System abgespeichert sind. Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind besonders prägend. Die allerfrühestens Erfahrungen im 3. Lebensjahr werden sogar ausschließlich im limbischen System gespeichert und sind daher verbal gar nicht zugänglich. Diese Erinnerungen existieren (und wirken!), können aber nicht in Sprache ausgedrückt werden. Sprachlicher Ausdruck und gedankliche Reflexion sind mentale Prozesse, die in cortikalen Strukturen ablaufen. Dies erklärt, warum emotionale "Programme" ausgelöst werden können, ohne dass wir unmittelbar verstehen warum.

 

Wenn nun bestimmte emotionale Erfahrungen in bestimmten Situationen reaktiviert werden - zum Beispiel kann das Erleben von Kritik eines strengen Vaters bei Äußerung eigener Bedürfnisse durch eine Konfrontation mit dem Chef wieder aktiviert werden ohne dass es uns bewusst wird - kann es passieren, dass ein dazu passendes, in der ursprünglichen emotionalen Situation erlerntes Verhalten - zum Beispiel Unterordnung und Rückzug - anspringt. Es handelt sich um genau das Verhalten, das in der ursprünglichen emotionalen Situation das unter den damals gegebenen Bedingungen günstigste gewesen ist. Bei Kindern ist es in aller Regel das Verhalten, das die größtmögliche Sicherheit bietet, von Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen nicht abgewiesen, verletzt oder verlassen zu werden. 

In Momenten, in denen die beteiligte emotionale Struktur im Gehirn aktiviert wird, ist unser Verstand auch Jahre später quasi machtlos: wie auf Knopfdruck melden wir unser Recht auf Überstundenausgleich oder Urlaub nicht an, obwohl wir genau das noch tags zuvor beschlossen hatten, um drohender Überarbeitung entgegen zu wirken. 

 

Wie so häufig liegt im Kern des Problems allerdings auch seine Lösung bereit: wenn eine bestimmte problematische Reaktion unter bestimmten emotionalen Bedingungen entstanden und daher beharrlich mit ihr verknüpft ist, muss diese emotionale Bedingung zunächst wiederhergestellt werden, um eine alternative Reaktion zu etablieren - eine Reaktion, die unter heute gegebenen Bedingungen, mit den Möglichkeiten und Ressourcen und Sicherheiten eines Erwachsenen sinnvoll und hilfreich ist. 

 

Genau das ist es, was zeitgemäße Psychotherapieformen, die sich eng an neurobiologischen Befunden orientieren, ermöglichen wollen. Im geschützten Rahmen der Therapie wird der ursprüngliche emotionale Zustand wiederhergestellt, um unter Aktivierung der beteiligten emotionalen Struktur eine neue Reaktionsweise, also neue cortikale Verknüpfungen aufzubauen. Diese neue cortikale Verknüpfung unabhängig von der emotionalen Aktivierung aufzubauen ist weniger erfolgversprechend, da sie dann zwar als Wissen existiert, in der relevanten Situation, wenn Emotionen beteiligt sind, allerdings jäh und chancenlos von der mit der Emotion unlängst verknüpften Reaktion überlagert wird. In der Therapie kann die Emotionsaktivierung entweder durch reale Konfrontationen mit gefürchteten Situationen geschehen oder durch Imaginationsübungen, die auch weit zurückliegende biographische Situationen wieder spürbar machen können. All das sollte selbstverständlich nur professionell angeleitet und unterstützt durch eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung geschehen. Auch bedarf es Zeit und Übung, ein alternatives Verhaltensmuster aufzubauen. Das alte Muster wird nicht gelöscht oder ausradiert, es besteht weiter fort, wir können nur trainieren das neue Muster zu benutzen und damit die entsprechenden neuronalen Verknüpfungen zu festigen. Unter Stress zum Beispiel können alte Muster sich jedoch wieder bemerkbar machen - da inzwischen ein Konkurrenzprogramm vorhanden ist, besteht allerdings die Möglichkeit entsprechend gegenzulenken statt wie bisher hilflos auf den Knopfdruck zu reagieren. 


 

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Do

26

Apr

2012

Die jungen Alten

Die Ergebnisse einer groß angelegten britischen Studie (Shalev et al., 2012, Molecular Psychiatry, 1-6) belegen einmal mehr die folgenschweren Einflüsse von Gewalterfahrung und chronischem Stress im Kindesalter. Diese Einflüsse betreffen nicht nur Gehirnstrukturen, die an der Regulation von Angstgefühlen beteiligt sind (s.a. Leben in Alarmbereitschaft), sondern wie jüngst gezeigt wurde auch Veränderungen in DNA-Proteinen, den Telomeren. Diese Substanz sitzt am äußeren Rand von Chromosomen und sorgt für deren Schutz gegen schädliche Einflüsse und Zelltod. 

Die aktuellen Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Kinder, die im Elternhaus oder in der Schule Gewalt ausgesetzt sind, verkürzte Telomere haben. Diese Verkürzung tritt normalerweise im höheren Lebensalter auf und ist verantwortlich für generelle Alterungsprozesse und altersbedingte körperliche Erkrankungen - in der aktuellen englischen Studie traten diese Veränderungen bei durch Gewalterfahrung belasteteten Kindern jedoch bereits im Alter von 10 Jahren ein. Die federführenden Wissenschaftler vermuten hierin eine Ursache für die erhöhte Anfälligkeit für körperliche Erkrankungen bei Menschen mit Erfahrungen häuslicher oder schulischer Gewalt in der frühen Kindheit. 

Die Molekularbiologin Elizabeth Blackburn erläutert in einem aktuellen Artikel in der ZEIT darüber hinaus wie auch nicht gewaltvolle, aber chronisch belastende Erfahrungen, wie zum Beispiel die partielle Übernahme der Erwachsenenrolle in der Beziehung zu den Eltern, einen solch gravierenden Effekt auf die Telomerase haben kann. 


Kinder mit traumatischen Erfahrungen, wozu auch die Vernachlässigung oder nicht-kindgerechte Beanspruchung zählen können, sind biologisch vorgealtert. Der Umgang mit dieser Erkenntnis kann für Betroffene im Erwachsenenalter äußerst belastend sein - zusätzlich zu der Belastung, die sich aus der Tatsache an einer körperlichen Erkrankung zu leiden ergeben kann. Wie auch für die durch traumatische Erfahrungen veränderten Furchtstrukturen im Gehirn gilt jedoch auch hier, dass ein Umgang mit der eigenen Biographie, eine Bewältigung der sich daraus ergebenden Hürden und Erschwernisse und der Blick nach vorne möglich sind, was jedoch unbedingt der sozialen und emotionalen Unterstützung bedarf, aus dem persönlichen Umfeld oder auch gegebenenfalls in Form einer psychotherapeutischen Begleitung oder psychologischen Beratung. 

 

 

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Di

03

Apr

2012

Needy, not greedy

Alle Menschen sind gleich. Gleich wertvoll, gleich einzigartig, gleich unperfekt. Und gleich bedürftig. 

Die Forschung zeigt, dass es bestimmte Grundbedürfnisse gibt, die jeder Mensch auf der ganzen Welt hat. Gemeint sind nicht Essen, Trinken, Schlaf und Sexualität, sondern die seelischen Grundbedürfnisse. Besonders wichtig sind sie in der Kindheit, wo gewissermaßen die Weichen gestellt werden für die Bedürftigkeit eines Menschen im Erwachsenenalter. 

Jedes Kind braucht die sichere Bindung zu einem anderen Menschen. Das bedeutet, dass eine Bezugsperson verlässlich und konstant verfügbar sein und dem Kind liebevoll, zugewandt und mit fürsorglicher Wärme begegnen sollte. 

Neben der Verbundenheit hat aber auch jedes Kind das Bedürfnis nach Autonomie, also Unabhängigkeit und danach, sich als eigenständige, kompetente Person zu erleben, die aus ihrer eigenen Fähigkeit heraus Dinge bewegen und beeinflussen kann. 

Auch gehört das Erleben von Grenzen zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Nicht immer alles bekommen, erreichen und bewegen zu können, ist wichtig für das harmonische soziale Zusammenleben mit anderen Menschen und für den sozialen Austausch. Nicht zuletzt auch zum Schutz der eigenen Person, da es nicht gesund wäre, sich grenzenlos jeder Herausforderung zu stellen. 

Auch der freie und von einem wohlwollenden Gegenüber wertgeschätzte Ausdruck eigener Gefühle sowie Spontaneität und Ausgelassenheit sind menschliche Grundbedürfnisse. 

 

Diese fünf Bereiche - Bindung, Autonomie, Grenzen, Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen, Spontaneität und Ausgelassenheit - scheinen nach heutigem Kenntnisstand universell von Geburt an eine Rolle zu spielen in der Emotionalität und Beziehungsgestaltung von Menschen. Wie ausgeprägt die einzelnen Grundbedürfnisse beim Erwachsenen sind, hängt stark davon ab, wie das soziale Umfeld diesen Grundbedürfnissen in Kindheit und Jugend begegnet ist. Menschen, denen es zum Beispiel an einer stabilen, liebevollen und fürsorglichen Bezugsperson gefehlt hat oder deren Bindungsbedürfnis missbräuchlich ausgenutzt wurde, haben im Erwachsenenalter häufig ein besonders ausgeprägtes Bedürfnis nach engen Beziehungen, die aber zugleich häufig angstbesetzt sind, da eine starke Furcht vor Verlassenheit oder Verletzung bestehen kann.

Menschen, die ohne Grenzsetzung aufgewachsen sind, haben häufig im Erwachsenenalter Schwierigkeiten sich in sozialen Gemeinschaften wohlzufühlen oder suchen ganz besonders nach Beziehungspartnern, die Regeln vorgeben, in der Beziehung den Ton angeben. 

 

Diese Beispiele zeigen bereits wie weitreichend der Einfluss der Grundbedürfnisse ist. Sie prägen unsere Beziehungsgestaltung ganz maßgeblich. Das zeigt sich auch in wiederkehrenden zwischenmenschlichen Konflikten - den größeren und den kleineren. Die Frage nach der individuellen Bedürftigkeit erklärt viele auf den ersten Blick irrational oder überempfindlich wirkende Verhaltensweisen und Reaktionen unseres Gegenübers. Die übermäßige Eifersucht oder Gier nach Zuwendung des Partners, die "Szene", die eine gute Freundin macht, wenn man im Gespräch mit ihr einmal mit der Aufmerksamkeit abschweift, die überschäumende Wut des Kollegen, wenn das Computersystem abstürzt oder die abweisende Reaktion der Partnerin auf fürsorgliche Gesten. Wie wir "ticken", was uns "antitscht", unsere "Knöpfe drückt", wird in hohem Maße davon beeinflusst, welche Grundbedürfnisse in der Entwicklung nicht oder nicht angemessen erfüllt worden sind und welche unbewussten Strategien wir entwickelt haben, um uns vor den damit einhergehenden schmerzvollen Gefühlen zu schützen - zum Beispiel keine menschliche Nähe und Wärme mehr zuzulassen, um den Schmerz einer möglichen zukünftigen Trennung nicht erleben zu müssen. 

Wenn wir aber nicht hinter diese Masken, die Schutzstrategien blicken, bleiben oft nur Ärger, Frust oder Ratlosigkeit ob des Verhaltens unserer Beziehungspartner (oder unseres eigenen Verhaltens!). Wer dahinter blickt, sieht allerdings das Bedürfnis hinter der Wut, der Eifersucht, der Distanziertheit oder der dramatischen Szene. Sehen wir einen bedürftigen Menschen statt eines zeternden, klammernden, cholerischen, hysterischen, arroganten oder egozentrischen Menschen, bieten sich sehr viel bessere Chancen auf konstruktive und hilfreiche Begegnungen. 

Versuchen Sie es, suchen Sie das Bedürfnis hinter dem zunächst unbequemen oder unangenehmen Verhalten Ihres Gegenübers - und hinter dem eigenen - und reagieren Sie auf das Bedürfnis statt auf das Verhalten. 

Ein einfaches Unterfangen ist das nicht, da häufig äußerst komplexe biographische Entwicklungen und Zusammenhänge hinter alltäglichen Verhaltensweisen stecken, die selbst im therapeutischen Kontext manchmal nur allmählich gemeinsam entdeckt werden. Wenn man aber gedanklich den kleinen Paradigmenwechsel vollziehen kann - das hinter greedy (oder aggressiv, cholerisch, arrogant, dramatisch, klammernd, distanziert etc.) höchstwahrscheinlich needy steckt, ist die Tür zur konstruktiven menschlichen Begegnung zumindest geöffnet. Es fällt leichter, dem Gegenüber (und sich selbst) mit Wertschätzung, Anerkennung, Wärme und Verständnis ganz individuell zu begegnen. 

 

 

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Mi

14

Mär

2012

Sündenfalle

Wut ist das Stiefkind unter den Gefühlen. Sie ist eine der sieben Todsünden und gilt als rohe, unbeherrschte, verwerfliche Emotion. "Ich bin sauer, stinkig, sickig, angefressen" usw. - schon wie wir im Alltag unserer Wut Ausdruck verleihen klingt meist irgendwie abstoßend. 


Wenn Menschen sich ausdrücklich mit Wut beschäftigen, dann meist, wenn sie Wege suchen die Wut im Zaum zu halten - oder anderen Menschen Wege aufzeigen, sie im Zaum zu halten. Meist geht es also darum, Wut zu vermeiden, sie schnellstmöglich wieder loszuwerden oder irgendwie zu verstecken. Wut geschieht oft im Stillen, wird geschluckt oder zwischen zusammengebissenen Kiefern zu zermalmen versucht. Oft kommt sie in Folge dieser Unterdrückungsversuche am Ende um so blinder, lauter und destruktiver daher.

 

Da Menschen nichts ohne (subjektiven) Sinn und Grund tun, hat auch das Bestreben Wut zu vermeiden seine durchaus sinnigen Hintergründe. Wut wird oftmals begleitet von schlechter Stimmung, verleitet manchmal zu impulsiven Reaktionen, die einem später leid tun und die schlimmstenfalls mit Risiken für die eigene Unversehrtheit und die Unversehrtheit anderer Menschen einhergehen. Somit gilt als zivilisiert, wer es besonders gut versteht, Wut und Ärger zu unterdrücken oder zu verstecken. Wut zeigt man nicht, über Wut spricht man nicht. 

 

Wie alle Versuche ein Gefühl willentlich zu vermeiden, geht dies in aller Regel früher oder später in mehr oder weniger deutlichem Maße nach hinten los (ergänzende Artikel: Jenseits von Gut und BöseRadikale AkzeptanzTauziehen mit dem Monster).

Dass wir Gefühle jedoch eben nicht ohne Weiteres vermeiden können, hat ebenfalls seinen Sinn. Allerdings keinen subjektiven, sondern einen naturgegebenen. Alle Grundemotionen - zu denen auch Wut und Ärger gehören - existieren, weil sie eine Funktion für den Menschen haben. Auch Wut hat eine solche Funktion. Wut warnt vor Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und hilft - wenn sie geäußert und kritisch reflektiert wird - diese zu überwinden. Wut ist eine Art universelles Alarmsignal in sozialen Situationen, das dringend darauf hinweist, dass eine Situation aufgelöst oder in irgendeiner Weise verändert werden muss. Wut kann motivieren und Energien bereitstellen, die uns helfen Hemmnisse zu überwinden und Ziele zu erreichen. Wut als Reaktion auf einen Schicksalsschlag führt eher zu problemlöseorientierten  Bewältigungsversuchen als zum Beispiel Traurigkeit oder Angst - die aber wiederum auch ihre Funktionen haben! 

 

Die hilfreiche und sinnvolle Funktion von Gefühlen tritt allerdings nur dann zutage, wenn Menschen einen achtsamen Zugang zu ihren Gefühlen haben. Achtsamkeit bezeichnet die grundsätzliche innere Haltung, allem was geschieht aufmerksam, offen, neugierig und akzeptierend zu begegnen, ohne es zu werten. Sich in Achtsamkeit zu üben bedeutet völlig im gegenwärtigen Augenblick zu sein und ihn mit allen Sinnen wahrzunehmen - jenseits von erlernten Wertungen und Vermeidungsversuchen. 


Wenn Sie wütend sind, nehmen Sie sich Zeit und achten Sie auf das Gefühl. Was passiert in ihrem Körper? Verändern sich vielleicht die Atmung oder der Herzschlag, vielleicht das Wärmeempfinden? Erleben Sie Ihre Wut, begegnen Sie ihr.

Das Wort Emotion leitet sich aus dem Lateinischen her von ex ('heraus') und motio ('Bewegung'). Wenn Sie achtsam ihren Gefühlen begegnen, werden Sie höchstwahrscheinlich die Erfahrung machen, dass sie nicht starr sind oder wie oftmals befürchtet nie vergehen und sich ins Unerträgliche steigern, wenn man sie nicht "abzustellen" versucht. Was tatsächlich passiert ist, dass Emotionen sich bewegen, in Wellen verlaufen, kommen und gehen, nach einer Weile ohne Ihr Zutun abebben.  

 

Der achtsame Umgang mit Gefühlen ermöglicht ein gesundes Erleben von Gefühlen jenseits von Unterdrückung und Verdrängung - Umgangsweisen, die eher krank machen als dass sie hilfreich sind. Im Nachklang haben Sie die Möglichkeit zu ergründen, was Sie wütend gemacht hat und wie Sie den zugrundeliegenden Konflikt (mit anderen Menschen oder mit sich selbst) lösen können. Häufig steckt hinter Wut ein Bedürfnis, welches durch bestimmte Umstände, das Verhalten anderer Menschen oder eigene Hemmnisse nicht erfüllt wurde. Mehr zu Bedürfnissen, Wegen sie kennen, wahrnehmen und angemessen äußern zu lernen im nächsten Blogartikel. 

 

 

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So

05

Feb

2012

Vom Rampenlicht ins Sezierlicht

Eine psychische Störung erlangt öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung als behandlungsbedürftiges Problem. Das ist großartig. Denn die öffentliche Wahrnehmung und Akzeptanz psychischer Probleme und Erkrankungen ist wesentliche Voraussetzung für ihre rechtzeitige Behandlung oder sogar Prävention. Genauso sind Wissen und Verständnis psychischer Störungen eine Voraussetzung für den Abbau der Stigmatisierung, unter der Betroffene immernoch leiden. 


Das Phänomen, dass das Burnout-Syndrom über die Medien in aller Munde transportiert worden ist, birgt also grundsätzlich eine sehr vielversprechende Chance. Es darf über psychische Störungen gesprochen werden und Unternehmen werden sensibilisiert für (gesundheitlich und finanziell) schädliche Folgen zu hoher Arbeitsbelastung. Absolut unerwünscht ist jedoch der sich abzeichnende Effekt einer ebenso inflationären wie fälschlichen Begriffsverwendung. 


Nicht jede Art psychischer Probleme, die (manchmal scheinbar, manchmal tatsächlich) im Zusammenhang mit Schwierigkeiten oder Überlastung am Arbeitsplatz auftreten, kann als Burnout-Syndrom bezeichnet werden. Genau dies zeichnet sich momentan allerdings in den Medien ab. Das ist kritisch, denn: Experten haben noch immer keine offizielle Richtlinie was Burnout überhaupt ist, unterschiedliche Problematiken verlangen unterschiedliche Behandlungsansätze, und dem Stigma könnte sogar Vorschub geleistet werden. 

 

Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger prägte 1974 den Begriff Burnout, auf ihn beziehen sich viele weiterführende Konzepte, eine verbindlichere Definition als die Freudenbergers existiert bislang jedoch nicht. Der Analytiker meinte mit Burnout die häufig bei Menschen in helfenden Berufen auftretende chronische Erschöpfung, die er ursprünglich explizit nicht als psychische Erkrankung, sondern Folge einer Arbeitsüberlastung in sozialen und Gesundheitsberufen verstand.

 

Zwar gehen Psychologen und Mediziner heute davon aus, dass auch in anderen Arbeitsbereichen mit direktem und für die Tätigkeit bedeutsamem Kontakt zu anderen Menschen derartige Zustände körperlicher und mentaler Erschöpfung auftreten und durchaus krankheitswertigen Charakter erreichen können, allerdings ist das Burnout-Syndrom bis heute nicht im Sinne einer Krankheit in dem international verbindlichen Diagnosesystem der Weltgesundheitsorganisation definiert - obwohl recht einhellig gefordert wird, dass dies geschehen sollte. Außerdem besteht Einigkeit darüber, dass die Beschwerden, die mit Burnout in Verbindung gebracht werden, nicht allein auf äußere Faktoren zurückzuführen sind, sondern auch auf die persönliche Einstellung zur Arbeit, den Umgang mit sich selbst und den eigenen Ressourcen sowie die Ansprüche an sich und seine Leistungen. 


Phänomene und Beschwerden, die unter dem Begriff Burnout subsummiert werden, können in drei Bereiche gegliedert werden: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation (siehe unten) und reduzierte mentale wie körperliche Leistungsfähigkeit. Freudenberger und North beschrieben 1992 die prozesshafte Entstehung des Burnout, an dessen Beginn häufig besonders hoher Ehrgeiz steht, der anfällig macht für das verbissene Bemühen um Erreichung (überhöht) gesetzter Ziele. Zur Zielerreichung oder zumindest -annäherung ist immer höherer Einsatz notwendig, der Zeit und Energie raubt, andere grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn der Konflikt zwischen beruflichen Zielen und nicht berufsbezogenen Bedürfnissen an dieser Stelle zwar wahrgenommen, aber beiseite geschoben wird, nehmen Überlastung und Erschöpfung zu. Wird diese Negativspirale verdrängt und verleugnet, entwickeln sich die typischen Burnout-Symptome: abnehmende Flexibilität und Offenheit des Denkens, Gereiztheit, gleichgültige bis ablehnende Haltung gegenüber Kunden/Klienten/Patienten (Depersonalisation), mangelnde Selbstfürsorge, emotionaler Rückzug, Gefühle von Unzulänglichkeit und Angst, und schließlich maximale psychische und physische Erschöpfung, die sich in manifesten körperlichen Veränderungen und Lebensmüdigkeit ausdrücken kann (lesen Sie auch Brennen Sie ruhig weiter). 


Am höchsten ist das Burnout-Risiko, wenn eigene überhöhte Leistungserwartungen auf überhöhte Leistungserwartungen seitens des Unternehmens treffen. Verantwortungsvolle Strukturen, die von Führungspersonen vorgegeben werden sollten, beinhalten hingegegn realistische und erreichbare Zielsetzungen, sensible Rückmeldungen und gemeinsames Beachten persönlicher Grenzen und Bedürfnisse zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie zum langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit.

 

Unternehmensstrukturen alleine bedingen oder verhindern die Entwicklung des Burnout jedoch nicht. Die inneren Strukturen des Arbeitsnehmers sind ebenso entscheidend. Hier gibt es sehr wirksame psychologische und medizinische Hilfsmöglichkeiten, sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung eines Burnout-Syndroms. Diese setzen einerseits an den 'inneren Antreibern' des Arbeitsnehmers an, beleuchten Leistungsansprüche und Zielsetzungen sowie die persönliche Bedeutung beruflichen Erfolgs, und unterstützen dabei unrealistische Haltungen zu verändern. Auch die Verbesserung persönlicher Stressbewältigungs- und Problemlösefertigkeiten, der gezielte Einsatz individueller Ressourcen und die Balancierung von Arbeit und Erholung im Sinne einer Lebensstilveränderung sind Zielgrößen.

 

Auf Unternehmensseiten sollten idealerweise die Kommunikationsstrukturen dahingehend optimiert werden, dass jeder Mitarbeiter sowohl im Kollegenkreis als auch bei den Vorgesetzten kontinuierlich unterstützende Ansprechpartner finden kann, die Unternehmensziele realistisch formuliert werden und Einzelne nicht überfordern und die Tätigkeit abwechslungsreich gestaltet ist und zur Eignung des Einzelnen passt. Zudem sollten Erholungs- und Urlaubszeiten von Unternehmensseite ausreichend eingeräumt und ihre Nutzung entschieden eingefordert werden. 


Zwar kann ein Burnout anfällig machen für die Entwicklung von zum Beispiel einer Depression oder Angststörung, ist mit diesen Erkrankungen jedoch keineswegs gleichzusetzen! Da für unterschiedliche Beschwerdebilder unterschiedliche Therapieansätze wirksam sind, darf an dieser Stelle keine Vermischung oder Vereinheitlichung stattfinden. Burnout mag für einige Betroffene der weniger schreckende Begriff sein als zum Beispiel 'Depression', da das Burnout (fälschlicherweise) als rein durch beruflichen Stress und hohen Fleiß verursacht erachtet wird, während zum Beispiel eine Depression (ebenso fälschlicherweise) eher mit  Veranlagung oder persönlicher Schwäche in Verbindung gebracht wird. Deutschlandradio Kultur fragt im Experteninterview sogar, ob Burnout cooler ist als Depression. Ein Vorteil entsteht jedoch nicht, wenn der Stigmatisierung Vorschub geleistet wird und Behandler wie auch die Öffentlichkeit dazu übergehen, den vermeintlich 'angenehmeren' Begriff statt des zutreffenden zu verwenden.

Am Burnout wie auch an spezifischen psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen sind immer psychologische, biologische und auch soziale (sogenannte Stressoren, zum Beispiel der Job) Faktoren beteiligt. Zwar ist die Gewichtung in jedem individuellen Fall etwas anders, ein entsprechendes Zusammenspiel liegt jedoch meistens vor. Ein Burnout ist nicht allein durch den zu stressigen Job verursacht, eine Depression nicht allein durch die entsprechende psychologische oder biologische Veranlagung. Nur durch richtige Diagnose und individuelle Fallanalyse können die jeweils hilfreichsten Behandlungsmaßnahmen ausgewählt und angeboten werden. Auch weil die grundsätzlich sehr begrüßenswerte öffentliche Diskussion um das Thema derzeit eher das Stigma psychischer Erkrankung zu verschärfen droht („Burnout ist ok, denn das bedeutet, man hat sich vorher mächtig angestrengt, das ist was ganz anderes, als wenn man 'einfach so' depressiv wird“), ist eine Differenzierung absolut notwendig. 

 

Aufgrund der sprachlichen und diagnostischen Unklarheit arbeitet eine Expertenkommission der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) aktuell an einem entsprechenden Positionspapier zum Thema Burnout.

 

 

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Di

24

Jan

2012

Näherungsweisen

Ausstellung Grenzen erleben
Die Erlebnisausstellung GRENZen erLEBEN vermittelt in zwei detailreich gestalteten Räumen mit Hilfe verschiedener Szenarien und Reizquellen einen näherungsweise authentischen Eindruck davon wie es ist unter akuten Symptomen einer Depression oder Psychose bzw. Schizophrenie zu leiden. Die Ausstellung richtet sich in erster Linie an Laien und Nicht-Betroffene aus der Allgemeinbevölkerung. Ziele sind der Abbau des Stigmas gegenüber psychischer Erkrankung und die Sensibilisierung für die genannten Erkrankungen durch auf Wissen und Erleben basierende Informiertheit - eine wesentliche Voraussetzung für Prävention und rechtzeitige Behandlung von Depression und Psychosen. 

Eingebettet ist die Ausstellung in ein tägliches Rahmenprogramm, das ebenso wie weiterführende Informationen zur Ausstellung selbst hier vollständig einsehbar ist.
Sowohl Ausstellung als auch Rahmenprogramm sind kostenfrei und werden vom 23. März bis 5. April 2012 in Köln inszeniert von der Eckhard Busch Stiftung in Kooperation mit der Stadt Köln.

 

 

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Mo

23

Jan

2012

Radikale Akzeptanz

Radikale Akzeptanz ist das Gegenteil von Wollen.

Es ist die Bereitschaft, darauf zu verzichten, sich gegen Schmerz und ungewollte Ereignisse real oder auch gedanklich aufzulehnen, sie zu bekämpfen oder auch nur irgendwie verändern zu wollen. Das hier dargestellte Verständnis radikaler Akzeptanz basiert auf einem spirituell aus dem Zen-Buddhismus inspirierten therapeutischen Ansatz, der dialektisch-behavioralen Therapie nach Marsha Linehan. Ungeachetet der Entwicklung dieser Therapie für Menschen mit speziellen psychischen Problemen, kann das Konzept auch zur Reflexion der eigenen Umgangsweise mit Stress und Belastung anregen.

Wenn mir die Bahn vor der Nase wegfährt, wird es dann wirklich besser, wenn ich mich in den zehn Minuten bis die nächste Bahn kommt über die verpasste aufrege? Was bringt der Ärger über die verschüttete Milch? Das Annehmen dessen, was ich nicht ändern kann, kann uns im Großen wie im Kleinen das größte Leid ersparen. 

 

Radikale Akzeptanz ermöglicht das Erfahren und Erleben dessen was gerade ist, so wie es eben ist, inklusive der eigenen Reaktion darauf. Eine solche Haltung ist notwendig, wenn wir vor einem Problem stehen, das eben nicht gelöst werden kann, eine Situation eben nicht veränderbar ist. Weil ein Ereignis zum Beispiel bereits stattgefunden hat oder unabänderliche Konsequenzen zur Folge hatte. 


Eine eigene chronische Erkrankung oder die chronische Erkrankung eines nahestehenden Menschen ist ein sehr belastendes Ereignis. Es führt zu Schmerz und Angst. Die Erkrankung liegt vor, man muss langfristig behandelt werden. Das ist erstmal nicht veränderlich. Das ist so. Und sie führt zu emotionalem Schmerz. Das ist so. 

 

Die Erfahrung von Gewalt oder Vernachlässigung in der Kindheit oder zu einem späteren Zeitpunkt ist eine große Belastung, die emotionale Spuren hinterlässt und das spätere Leben beeinträchtigen kann, zum Beispiel durch belastende Erinnerungen an das Ereignis oder Schwierigkeiten damit, Vertrauen zu anderen Menschen zu entwickeln. Die Erfahrung hat stattgefunden, sie ist nicht mehr veränderlich. Das ist so. Und sie führt zu emotionalem Schmerz. Das ist so. 

 

Man trifft immer wieder auf Menschen, die in ihrem Leben etwas erreicht haben, was man selbst gern erreicht hätte, aus bestimmten Gründen aber nicht erreicht hat. Manche Menschen sind attraktiver, klüger, unterhaltsamer oder gelassener als man selbst. Das ist so. Die Wahrnehmung all dessen führt manchmal zu einem Gefühl von Enttäuschung oder Traurigkeit. Das ist so. 

 

Die Akzeptanz dieser Umstände und Zustände ist eine Voraussetzung dafür, den damit verbundenen Schmerz zu überwinden - insbesondere dann, wenn man zu besonders impulsiven und intensiven gedanklichen, emotionalen und realen Reaktionen neigt. 

 

Was ist der Unterschied zwischen Schmerz und Leid? 

Schmerz gehört zum Leben wie Freude, Angst, Essen, Trinken, Atmen und Schlafen und kann nicht immer vermieden werden. Im Gegenteil, manchmal müssen unangenehme Gefühle durchlebt werden, da manche Situationen sich eben nicht verändern lassen (weil die Ereignisse, die zu der Situation führten z.B. in der Vergangenheit liegen). Versuchen wir Schmerzen zu vermeiden und zu verdrängen, leiden wir oft noch mehr und noch länger darunter. Schmerz ist in vielen Situationen eine normale und gesunde Reaktion und muss gelebt werden. 

Leid hingegen resultiert aus dem Vermeiden und nicht-akzeptieren von Schmerz. Es entsteht, wenn ich mich an das klammere, was ich will und mich weigere  anzunehmen, was ich habe. Leid ist leidvoller als Schmerz, es hemmt und beeinträchtigt alles Tun - und es scheint endlos. 

 

Zu lernen, unangenehme Ereignisse und Gefühle zu ertragen, solange sich die Umstände nicht verändern lassen, versetzt uns in die Lage, Schmerz zu überwinden. 

All das bezieht sich nur auf schmerzhafte Situationen, die im Augenblick (oder dauerhaft) unveränderbar sind. Und bedeutet nicht, sich passiv zu ergeben und duldsam abzuwarten. Es geht vielmehr darum, durch das Aufgeben von Kampf und Weigerung Energie zu sparen, die später zur Problembewältigung notwendig ist - wobei Problembewältigung manchmal nur ein Umgang mit einer Situation sein kann, die wir uns anders gewünscht hätten, nicht das Verändern der Situation selbst. Manchmal ist das Annehmen auch bereits Bewältigung - dies verdeutlicht das Bild von einem Menschen, der in Treibsand geraten ist. Solange er rudert und paddelt und kämpft, wird es ihn tiefer in den Treibsand ziehen. Bewahrt er Ruhe und streckt sich auf der Oberfläche des Treibsands breit aus, wird er nicht versinken. 

 

 

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So

15

Jan

2012

Blick hinter die Mauer

Vor dem Hintergrund einschneidender oder wiederholter Erfahrungen in Kindheit und Jugend entstehen bei jedem von uns bestimmte Muster. Die Muster beinhalten eine bestimmte Art zu denken, zu fühlen, wahrzunehmen und sich zu verhalten. In manchen Situationen wird das besonders deutlich. Man kann es sich vorstellen wie eine Art "Programm", das in manchen Situationen anspringt und (meist für uns unbewusst) bedingt, dass wir die Situation in einer bestimmten Weise wahrnehmen und interpretieren, uns in einer bestimmten Weise fühlen und verhalten. Auch bedingt dieses Programm, wie wir zu anderen Menschen in Beziehung treten. 

Jeder Mensch hat solche Muster - Knöpfe, die leicht zu drücken sind und verlässlich typische Reaktionen hervorrufen. Bei vielen Menschen sind sie so geartet, dass sie der Gestaltung zufriedenstellender Lebensumstände und der Erreichung persönlicher Lebensziele nicht im Wege stehen. Bei einigen Menschen sind sie jedoch eher starr und wenig flexibel, lassen kaum Spielraum zu, sich einmal anders zu verhalten als es das Muster "gebietet". Dazu kann es kommen, wenn bestimmte Erlebnisse in der Biographie besonders prägend gewesen sind. In einem solchen Fall kann man auch von einer "Lebensfalle" statt einem Muster sprechen. 

Der Fachbegriff, den der Psychotherapeut Jeffrey Young verwendet, lautet Schema. Die Therapieform, die Young zur Bewältigung von Schwierigkeiten mit diesen Schemata entwickelt hat, ist die Schematherapie.

 

Jeffrey Young

Nehmen wir das (fiktive) Beispiel des 41-jährigen Kai. 

Er ist in seiner Kindheit immer wieder von wichtigen Bezugspersonen in der einen oder anderen Weise verlassen worden. Seine Mutter hat die Familie in Kais 3. Lebensjahr verlassen. Alleinerziehend war Kais Vater häufig überfordert und hat seinen Sohn oft über längere Zeit in Betreuungen gegeben. Schließlich zog Kais bester Freund mit seiner Familie fort, als Kai 12 Jahre alt war. 

Da es für jeden Menschen auf der ganzen Welt ein Grundbedürfnis nach sicherer Bindung gibt, also danach, dass wichtige nahestehende Personen sicher und konstant erreichbar sind, fand in Kais Kindheit eine schwerwiegende Frustration eines Grundbedürfnisses statt - es hätte weniger bedurft, um Spuren bis ins Erwachsenenalter zu hinterlassen. Die Nichterfüllung des Bedürfnisses nach sicherer Bindung und stabiler Zuwendung führte bei Kai zu der Entwicklung der Lebensfalle Verlassenheit. In seinem Erwachsenenleben muss er später leidvoll erfahren, dass er in bestimmten Situationen immer wieder panische Angst vor Verlust und Verlassenheit bekommt. Wenn er Menschen näher kennenlernt, eine Freundschaft oder eine Beziehung einzugehen versucht, erwartet er im Grunde von Anfang nichts anderes, als dass der Mensch, den er gerade kennenlernt, ihn irgendwann allein lassen wird. Er kann kein Vertrauen in die Stabilität einer Beziehung entwickeln. Er lebt in ständiger Angst vor einem Verlust. 

 

Nicht nur bezüglich des Schemas Verlassenheit, auch hinsichtlich aller anderen Schemata ist davon auszugehen, dass sie sich entwickelt haben, weil zentrale Grundbedürfnisse innerhalb der Entwicklung nicht oder nicht ausreichend erfüllt worden sind. Nicht immer müssen Erfahrungen vorliegen, die offenkundig schädigend sind wie die im Beispiel von Kai geschilderten. Es kann auch eine mangelnde Bedürfnisbefriedigung vorliegen, wenn es einer Person in Kindheit und Jugend "an nichts gemangelt" hat und die Eltern "alles Erdenkliche" für sie getan haben. In diesem Falle wäre unter Umständen das Bedürfnis  nach Autonomie, Grenzen und Erprobung von Fähigkeiten nicht ausreichend erfüllt worden - was natürlich andere (negative) Erlebnisweisen als die im Beispiel von Kai zur Folge haben würde, zum Beispiel Angst davor eigene Wege zu gehen. 

 

Schemata oder Lebensfallen rufen wie Kais Beispiel zeigt, sehr schmerzvolle Gefühle hervor. Diese müssen irgendwie bewältigt werden. Die Schematherapie geht davon aus, dass es grundsätzlich drei Arten der Bewältigung der aus einem Schema resultierenden negativen Gefühle gibt: Sich-FügenVermeiden und die sogenannte Überkompensation. Oft überwiegt im Einzelfall eine dieser drei Strategien, es können aber auch verschiedene nebeneinander bestehen. 

 

Kai bewältigt die heftige Angst, die sich aus dem Verlassenheitsschema ergibt, indem er vermeidet. Er vermeidet Situationen, in denen es potentiell zum Verlassenwerden kommen könnte: er vermeidet es, sich emotional auf andere Menschen einzulassen, lässt niemanden wirklich an sich heran. Er geht nur oberflächliche Beziehungen ein, um nicht verletzbar zu sein, er baut bildlich gesprochen eine Mauer um sich herum auf. Diese Mauer, die Vermeidung von Nähe, ist im Verständnis der Schematherapie eine Bewältigungsstrategie, ein Schutzmechanismus. Sie schützt Kai davor, die Angst und die Trauer seines kindlichen Anteils zu spüren - die Erinnerung an die ursprünglichen Entstehungsbedingungen des Verlassenheitsschemas. 

Da dies nicht immer funktioniert und die Sehnsucht nach Nähe als Grundbedürfnis auch im Erwachsenenalter bestehen bleibt, kommt es auch regelmäßig vor, dass Kai zu viel Alkohol trinkt oder kifft, um nicht in Kontakt mit seinen wahren Gefühlen zu kommen. 

Diese Mauer, die Bewältigungsstrategie, stellt sich bildlich gesprochen vor den ängstlichen, verletzten kindlichen Anteil. In gewisser Hinsicht ist die Mauer also nützlich. Im Laufe des Lebens werden meist jedoch auch Kosten der Bewältigungsstrategie deutlich - zum Beispiel die irgendwo immer latent spürbare Sehnsucht nach einer engen, vertrauensvollen Beziehung.  

 

Andere Menschen bewältigen ein Verlassenheitsschema dadurch, dass sie dem Schema unbewusst nachgeben, es unbewusst als Wahrheit, ihr gegebenes Schicksal hinnehmen. Diese Bewältigungsstrategie zeigt sich immer dann, wenn Menschen als Erwachsene immer wieder die Kindheitssituationen des Verlassenwerdens wiederholen, die das Schema hervorgerufen haben. Dies zum Beispiel, indem sie immer wieder Beziehungen mit PartnerInnen eingehen, die höchstwahrscheinlich wenig Stabilität und Sicherheit bieten können, weil sie zum Beispiel bereits anderweitig gebunden, emotional instabil oder Substanzabhängig sind. 

 

Die Bewältigung durch Überkompensation bestünde im Falle des Verlassenheitsschemas darin, dass Betroffene ihre Beziehungen selbst nach kürzester Zeit und bei geringstem Anlass beenden. Dies geschieht um damit der Partnerin oder dem Partner sozusagen (unbewusst) zuvorzukommen. 


Lebensfallen überwinden

Die Schematherapie hilft zunächst, die unterschiedlichen inneren Anteile zu identifizieren und ihre Herkunft zu verstehen. Durch Vorstellungsübungen kann sozusagen eine emotionale Brücke geschlagen werden zwischen heutigen Schwierigkeiten in konkreten Situationen und bestimmten Erlebnissen in Kindheit und Jugend. 

Die Funktion der verschiedenen Anteile wird dann zum Beispiel mit Hilfe der sogenannten Stühletechnik verdeutlicht. Mehrere Stühle repräsentieren die inneren Anteile und ihre Anordnung zueinander. Auf diese Weise kann man auch die unterschiedlichen Positionen einnehmen und miteinander in Dialog treten lassen. 

 

Die unterschiedlichen Anteile einer Person werden innerhalb der Schematherapie Modi (Einzahl: Modus) genannt und repräsentieren einerseits sozusagen aus der ursprünglichen (kindlichen) Situation "übrig gebliebene" oder "mitgenommene" Erfahrungen, der Kern des Schemas also, andererseits das gesunde, erwachsene Ich. Neben diesem gesundenen Erwachsenen Modus können aber auch wie beschrieben die sogenannten Kind-Modi im Vordergrund sein, was mit zum Beispiel sehr traurigen oder ängstlichen Gefühlen (vulnerables Kind) oder aber schier unbändiger Wut (wütendes Kind) einhergehen kann. Da dies sehr schmerzvoll ist, hat sich auch ein Modus wie zum Beispiel die beschriebene „Mauer“ entwickelt, der davor schützen soll, dass die Gefühle eines verletzlichen Kindes empfunden werden, zum Beispiel indem er eher kühl und distanziert mit anderen Menschen umgeht und sie nicht an sich heranlässt (distanzierter Beschützer) oder das Gegenüber offen aggressiv, vielleicht auch gewalttätig, angreift (aggressiver Beschützer). Andere Anteile sind das, was Menschen von wichtigen früheren Bezugspersonen, häufig den Eltern, übernommen haben. Schwierig ist dies, wenn es sehr fordernde oder strafende Haltungen sind, die verinnerlicht wurden, da diese negative Selbstwahrnehmungen und mangelnde Selbstfürsorge bedingen können (fordernder oder strafender Elternteil). 

 

Die Psychotherapeutin Dr. Gitta Jacob, eine der Vorreiterinnen der Anwendung der Schematherapie in Deutschland, beschreibt auf Ihrer Internetseite kurz und knapp die Kernproblematiken der unterschiedlichen von Young beschriebenen Schemata. Verlassenheit ist nur eines unter insgesamt achtzehn. 

 

Oben habe ich das Schema als Programm bezeichnet, das in bestimmten Situationen anspringen kann. Dieses Wort ist bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass es den meisten Menschen zunächst nicht möglich ist, diese Prozesse bewusst zu steuern oder zu kontrollieren, es geschieht einfach mit ihnen. Unterschiedliche, zum Teil extreme Gefühle werden aktiviert, die den Betroffenen (und sein Umfeld) gewissermaßen überfallen:

 

Die Schematherapie begleitet Menschen dabei, die hier skizzierten Strukturen und ihre individuellen Hintergründe bei sich selbst zu ergründen und unterstützt sie innerhalb einer konstanten und sicheren therapeutischen Beziehung darin, die Lebensfallen Schritt für Schritt unter Kontrolle zu bringen und sich auch unabhängig von ihnen entsprechend der persönlichen Lebensziele und Wünsche verhalten zu können. 

Dieser Weg ist nicht einfach, stellenweise sehr schmerzvoll, aber langfristig hilft er dem Leben und den Menschen offener zu begegnen und die Lebensqualität zu steigern. Innerhalb einer Schematherapie geht man diesen schwierigen Weg niemals alleine, die therapeutische Beziehung bietet sicheren und zuverlässigen Halt. 

 

 

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Fr

13

Jan

2012

Feel bad? Appreciate!

Toni Bernhard, ehemalige Professorin für Recht an der University of California, Davis, ist chronisch erkrankt. Auf ihrem Weg zur psychischen Bewältigung des Krankseins fand sie Inspiration in der buddhistischen Lehre. Der Buddhismus ist in seiner Essenz eine Lehre von der seelischen Gesundheit, mit dem Ziel, Menschen in die Lage zu versetzen mit Leid und Herausforderungen umgehen zu können, die das Leben jedem von uns stellt. Toni Bernhard teilt ihre Erfahrungen als Autorin und Bloggerin. In einem aktuellen Blog-Artikel beschreibt sie ihren Umgang mit - unabhängig von ihrer Erkrankung  bestehenden - "schlechten Tagen". Den Tagen, an denen man einfach "den Blues" hat, die jeden Menschen treffen können, ganz egal wie seelisch stabil er üblicherweise ist. Egal wie reich an materiellen Gütern, unterstützenden Freunden und Angehörigen, jeder Mensch erlebt Belastungen und Leid und ist in mehr oder weniger starkem Maße durch seine bisherige Biographie und die Erfahrungen aus Kindheit und Jugend geprägt (manchmal sind wir uns nicht einmal bewusst, warum eine bestimmte, im Grunde alltägliche Situation uns derart umtreibt - weil wir uns einer bestimmten Sensibilität nicht bewusst sind, die vielleicht aus einer Kränkung oder ausbleibenden Bedürfnisbefriedigung in der Kindheit herrührt). Und jeder Mensch hat ab und zu mehr oder weniger "schlechte Tage". 

 

Ein schlechter Tag mit gedrückter Stimmung, Abgeschlagenheit und Rückzugstendenzen hat nichts mit psychischer Erkrankung zu tun. Erst wenn sich diese Tage häufen oder über mehrere zusammenhängende Tage am Stück auftreten, das Wohlbefinden tiefergehend beeinträchtigen und sich erste negative Einflüsse auf soziale Beziehungen oder die Leistungsfähigkeit im Beruf abzeichnen, besteht Anlass zum Aufsuchen professioneller Hilfe. 

 

Allerdings können sich einzelne Tage, an denen negative Gedanken, trübe Stimmung, Reizbarkeit und Motivationstief uns plagen, obwohl sie an und für sich harmlos sind, ausdehnen. Und das umso eher, je engagierter wir versuchen, sie möglichst schnell wieder abzuschalten. Es ist ein Paradoxon der menschlichen Psyche, dass sich Gedanken und Gefühle, die wir am heftigsten zu unterdrücken und zu vermeiden versuchen, am hartnäckigsten Bahn brechen und festsetzen. Das bedeutet nicht, dass man sich als seelisch weitgehend stabiler Mensch in trauriger Stimmung und düsteren Gedanken unbedingt baden sollte. Es geht eher um eine an die buddhistische Lehre angelehnte Grundhaltung von Achtsamkeit. Achtsamkeit bedeutet, das was ist wahrzunehmen, ohne es zu werten und verändern zu wollen. Es bedeutet Sein im Hier und Jetzt, nur bei der einen Sache, die wir als nichts mehr und nichts weniger benennen als als vorhanden. So auch die trübe Stimmung an einem miesen Tag. 

 

Im Einklang mit Ideen der Akzeptanz-Commitment-Therapie und der buddhistischen Meditation empfiehlt Toni Bernhard: Versuchen Sie nicht, sich aus dem Blues herauszukämpfen!  Bewerten Sie ihn nicht als falsch, störend, fehlerhaft oder schuldhaft. Bewerten Sie ihn gar nicht. Nehmen Sie wahr, dass er da ist, weiter nichts. Seien Sie der trüben Stimmung gegenüber genauso offen und wohlgesonnen wie jeder anderen Stimmung gegenüber - sie ist genauso Teil der Weite Ihrer Erlebnisfähigkeit wie Freude und Tatendrang. Sorgen Sie für sich wie an jedem anderen Tag, bestrafen Sie sich nicht auch noch für die trübe Stimmung. 

Aus Erfahrung wissen Sie, dass der schlechte Tag vorbei gehen wird. Löschen Sie in nicht als Lebenszeit aus ihrem Dasein, leben Sie trotz oder besser mit der schlechten Stimmung Ihren Tag, tun Sie was Ihnen wichtig ist, drücken Sie nicht auf Pause. Sie sind nicht Ihre Stimmung. Sie können etwas unternehmen, was Sie üblicherweise lachen, lächeln oder sich entspannen lässt, sinnvolle Aufgaben ausführen, mit Personen sprechen, die Ihnen wichtig sind, das Geschirr abwaschen, ein Stück Kuchen essen, ihre Lieblingsmusik hören oder was immer Ihnen sonst wichtig ist, obwohl Sie schlechter Stimmung sind. 

 

 

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Fr

06

Jan

2012

Jenseits von gut und böse

Meditation als spirituelle Übung zielt ab auf das bewusste Sein im Hier und Jetzt. Ein meditativer Zustand bedeutet eine Schärfung des Erlebens dessen, was im gegebenen Moment anwesend ist bzw. geschieht.

 

Meditation versetzt das Gehirn in einen Zustand von Konzentration und Aufmerksamkeit, der weit intensiver ist als der aktive Wachzustand. Dieses Phänomen ist messbar mittels der Elektroenzephalographie (EEG). Im EEG zeigen sich während der Meditation bestimmte Wellen stärker und umfassender synchronisiert als im Wachzustand. Dieser gewissermaßen geschärfte Geisteszustand geht auch mit einer erhöhten neuronalen Aktivität im orbitofrontalen Kortex einher, einem Hirnareal das wichtig für die Regulation von Emotionen ist. 


Therapeutisch abgewandelte Ansätze der Meditation (z.B. die Mindfulness Based Cognitive Therapy) erweisen sich als effektiv in der Bewältigung von Störungen der psychischen Gesundheit wie zum Beispiel Depressivität, Angst und übermäßige stressbedingte Erschöpfung sowie chronischem körperlichen Schmerz. Zum Teil beruht die Wirkung auf einer Linderung  der Symptome selbst, zum Teil auf der Reduktion des Leidens, das sie verursachen. Auf diese Weise können auch schwere körperliche Erkrankungen durch die Behandlung begleitende Meditationsübungen positiv beeinflusst werden. Durch die positive Wirkung der Meditation auf die Stressreaktion des Organismus wird das Immunsystem gestärkt.

An der Universität Chicago konnte an Brustkrebspatientinnen gezeigt werden, dass die Durchführung von Achtsamkeitsmeditation nach dem operativen Eingriff die geschwächte Aktivität von Zellen des Immunsystems zu regenerieren vermag. 


Der Mönch Yuttadhammo spielt mit dem Wortstamm des Begriffs Meditation, bringt ihn in Zusammenhang mit dem ähnlichen Begriff Medikation: Letztere heile Krankheiten des Körpers, Erstere heile Krankheiten der Seele. Sehen Sie bei Interesse hier seine verständige und verständliche Einführung in die buddhistische Meditation (in Englisch).


Meditation zielt im Kern nicht auf die Beseitigung von etwas ab, ganz im Gegenteil. Der Meditierende lernt wahrzunehmen was da ist ohne es zu werten. Um zu verdeutlichen, was gemeint ist, könnte man sagen, er lernt wahrzunehmen was da ist, sei es gut oder schlecht. Diese Beschreibung würde die Grundlage der Meditation jedoch verkennen: in der achtsamen Wahrnehmung gibt es nur Existenz, nur Zugegensein, keine Wertung - und damit auch kein Gut oder Schlecht. In der Meditation wird jedes Gefühl, jeder Gedanke, jede körperliche Empfindung, jeder sinnnliche Eindruck, jegliche Erfahrung und jegliches Erleben wahrgenommen als genau das: Erfahrung und Erleben. Es wird nichts hinzugegeben oder reduziert, indem eine Wertung vorgenommen wird. Die Realität und das Sein werden schlichtweg erlebt. Ohne sie stoppen, voranzutreiben oder ändern zu wollen.


Insbesondere lange andauernde oder immer wiederkehrende seelische Probleme basieren häufig darauf, dass Betroffene alles Erdenkliche versuchen, die damit verbundenen negativen Emotionen und Gedanken loszuwerden: Ablenkung, Unterdrückung, Vermeidung, Betäubung. Die Versuche, beängstigende oder unangenehme Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen loszuwerden, werden häufig mit ungeheurem Aufwand und schier unermüdlicher Intensität betrieben. Betroffene unternehmen enorme Anstrengungen, um die unangenehmen Erlebnisweisen abzuschalten. Nicht selten glauben sie, dass sie sich nur noch mehr anstrengen müssen, um die Belastung endlich vollständig loszuwerden, dass sie bisher noch nicht "genug geleistet" haben. Sie verstärken ihr Bemühen dann, indem sie "mehr vom Selben" tun, auch wenn dieses Selbe möglicherweise immer ein Schritt weiter in die falsche Richtung führt - wobei falsch hier meint, dass es die Person von der Erreichung der für sie wichtigen und wertvollen Lebensziele entfernt.

 

Bildlich kann man sich diesen falschen Weg etwa so vorstellen, als versuche man, mit einem Schraubenzieher eine Nagel in die Wand zu schlagen - man benutzt schlichtweg das ungeeignete Werkzeug für den Zweck, den man verfolgt. Eine andere hilfreiche Metapher ist die vom Treibsand: wenn man in Treibsand gerät und beginnt wild mit Armen und Beinen zu rudern, zieht es einen immer tiefer in den Sand hinein. Je größer die Anstrengung, ihm zu entkommen, umso unerbittlicher zieht der Treibsand uns in sich hinein. Breiten wir uns aber ganz weit aus, legen uns flach hin, strecken Arme und Beine weit von uns, vergrößern wir sozusagen die Angriffsfläche maximal, hat der Treibsand keine Chance uns zu schlucken, wir gehen nicht unter! 

 

Ein therapeutischer Ansatz, der sich diesem Problem widmet, die zunächst paradoxe These vertritt, dass unangenehme Zustände umso intensiver und hartnäckiger erlebt werden, je mehr man gegen sie unternimmt, ist die Akzeptanz Commitment Therapie, deren Kernannahme derjenigen meditativer Ansätze sehr ähnlich ist: um etwas loslassen zu können, müssen wir es annehmen. Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie ermutigt und unterstützt uns wie auch die Meditationslehre darin, eine Bereitschaft und Offenheit zu entwickeln, das Unangenehme, Leidvolle, Schwere oder Beängstigende genauso zu voll zu erleben, wie das Leichte, Angenehme, Erfreuliche im Leben. Händeschütteln mit dem Monster statt Tauziehen mit dem Monster

 

Meditation und Akzeptanz Commitment Therapie sind wertvolle Bausteine einer zeitgemäßen, auf neurobiologischen Befunden basierenden Psychotherapie, in ihrer Grundidee und Wirkung allerdings mindestens ebenso nützliche Werkzeuge in der täglichen Pflege der seelischen Gesundheit. 

 

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Fr

30

Dez

2011

Morgen höre ich auf zu rauchen!

Gute Vorsätze 2012

Aus psychologischer Sicht sind die klassischen "guten Vorsätze" zum Scheitern verurteilt. 

Neujahr dient dennoch alle Jahre wieder vielen Menschen als Stichtag für Umbruch und Veränderung. Die Klassiker: mehr Sport treiben, weniger Alkohol trinken, Gewicht reduzieren, weniger Stress haben. 


Der Psychologe Wiseman hat eine fundierte Studie zur Haltbarkeit von Neujahrsvorsätzen durchgeführt. Von den befragten 3000 Briten berichteten zu Beginn der Untersuchung 52%, dass sie Ihre Vorsätze einhalten würden. Ein Jahr später konnten nur 12% berichten, sich tatsächlich an die Vorsätze gehalten zu haben. 


Psychologisch betrachtet handelt es sich bei Neujahrsvorsätzen um Ziele, Handlungsziele und Veränderungsziele. Allerdings häufig um ungünstig formulierte Ziele - daher die hohe Misserfolgsquote. Die goldenen Regeln für Zielformulierung lauten:

Übergeordnete Ziele sollten in Etappenziele unterteilt werden. Das motiviert auf der oft langen Wegstrecke ungemein.

Ziele sollten konkret formuliert sein. Nur dann können wir überprüfen, ob das Ziel wie gewünscht erreicht wurde oder nicht. Wieviel Kilogramm in welcher Zeit auf welche Weise abnehmen? In welcher Weise und in welchem Zeitraum Stress abbauen? Was genau tun, um entspannter zu sein? Woran merken, wenn das Ziel erreicht ist? 

Ziele sollten realistisch sein. Sonst lassen Misserfolg und Frustration nicht lange auf sich warten.  Wie viele Menschen kennen Sie, die täglich Sport treiben, nebenbei aber auch noch Freunde, eine Familie und einen Job haben? Bescheidene Ziele müssen nicht ohne Effekt sein - Beispiel Sport: Gemäß einer Taiwanesischen Studie reichen bereits 15 Minuten Bewegung am Tag, um die Lebenserwartung um drei Jahre zu verlängern! 

Ziele sollten positiv formuliert sein. Nehmen wir das Vorhaben, "Keine Süßigkeiten mehr essen". Problematisch ist hier, dass unser Gehirn zum einen nicht in der Lage ist, aktiv nicht an etwas zu denken (probieren Sie es: denken Sie genau jetzt auf keinen Fall an den Eiffelturm!). Es ist also anzunehmen, dass Sie verstärkt an Süßigkeiten denken werden, wann immer Sie an Ihr Ziel denken. Was wiederum bei den meisten Menschen den Appetit auf Süßigkeiten erhöhen dürfte.  Zum anderen sind Negativziele motivationspsychologisch ungünstig, da wir uns schwer damit tun, Anstrengungen zu unternehmen, um etwas nicht zu bekommen - insbesondere dann, wenn es sich um etwas Angenehmes oder Leckeres handelt. Eine hilfreichere Alternative wäre hier, "Ich möchte zum Nachtisch Obstsalat essen". 

Auch das lebhafte Imaginieren der Ausübung des gewünschten Verhaltens und seiner positiven Effekte kann hilfreich sein. Diese Technik nutzen auch Leistungssportler zur Optimierung von Motivation und Leistung. 

 

Neben diesen grundsätzlichen Prinzipien zur Zielformulierung ist es hilfreich, sich zu überlegen, wie das unerwünschte  Verhalten (rauchen, trinken, abends auf dem Sofa sitzen, übermäßig Schokolade essen etc.) in der Vergangenheit ausgelöst wurde und wozu es diente. Es ist schwierig, ein Verhalten aufzugeben, ohne es durch ein anderes zu ersetzen, wenn es einen gewissen Effekt hervorgebracht hat, der in irgendeiner Weise nützlich gewesen ist (Entspannung, Linderung unangenehmer Gefühle etc.). Es ist also hilfreich, sich zunächst die Funktionen des eigenen Verhaltens klarzumachen, um diese in erwünschterer oder gesünderer Form herbeizuführen als bisher bzw. gegebenenfalls die Umstände so zu verändern, dass das Verhalten nicht mehr gar so notwendig ist. Wenn Sie zum Beispiel abends nach einigen Überstunden völlig zerschlagen nach hause kommen, wo Sie zur Entspannung auf dem Sofa erstmal eine Tüte Chips und zwei Bier zu sich nehmen, kann es sinnvoll sein, zunächst einmal die Arbeitszeit zu begrenzen und während des Arbeitstages bereits für Erholungspausen zu sorgen. Im nächsten Schritt können alternative Entspannungsmethoden und Aktivitäten für den Abend geplant werden. 

 

Der römische Gott Janus, der Gott des Neubeginns, gilt als Namenspatron des Monats Januar. Janus steht aber auch als Sinnbild für Zweischneidigkeit. So ist es auch mit den guten Vorsätzen. Einerseits ist es ganz wunderbar, die eigene Lebensqualität durch Veränderungsziele verbessern zu wollen, andererseits setzen diese Vorhaben unter Druck, wenn sie vorschnell gefasst und ungünstig formuliert sind. Dies gilt insbesondere deshalb, weil Verhaltensweisen, die Inhalt eines "guten Vorsatzes" werden in der Regel schon recht lange bestehen und besonders schwierig zu verändern sind - wäre dies nicht der Fall, müssten sie nicht Inhalt eines guten Vorsatzes werden, man hätte sie sonst längst mal eben nebenbei verändert!

 

Nehmen Sie sich kleine Teilschritte vor, nicht zu viel auf einmal. Überfordern Sie sich nicht, das führt schnell zu Misserfolgen. Insbesondere bei Verhaltensweisen, die schön länger bestehen, sind "Rückfälle" höchst wahrscheinlich. Auch diese sollten also bereits bei der Planung als mögliches und verzeihliches Ereignis einbezogen werden. 

 

Vielleicht sind es auch ganz andere Bereiche, in denen Sie sich Veränderung vornehmen. Ihr Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen zum Beispiel. Hier gelten zwar auch die goldenen Zielformulierungsregeln, allerdings wird es an dieser Stelle komplexer und es kann sinnvoll sein, sich Unterstützung in Form von entsprechender Literatur, psychologischer Beratung oder einer Psychotherapie zu suchen. 

 

Ob Sie neue Ziele für 2012 haben, alte Ziele weiterverfolgen möchten oder aber sich zur Zeit zufrieden, in sich ruhend und angekommen fühlen, wünsche ich Ihnen einen zuversichtlichen und gesunden Start ins neue Jahr! 


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So

18

Dez

2011

Das Glück ist ein Parfüm

Das World Book of Happiness (DuMont, 2011) hat Erkenntnisse internationaler Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Kulturen zusammengetragen, was den Menschen glücklich sein lässt. Glück scheint universell - die grundsätzlichen Wege zu wahrhaftig empfundenem Glück sind in den USA keine anderen als in Afghanistan.


Im Folgenden die sicher maximal verkürzte, unvollständige, in Grundzügen aber das Wesentliche vereinende Quintessenz - zur Anregung der persönlichen Reflexion zum Jahreswechsel.


Seit Jahrhunderten vor Christus rät das Orakel von Delphi jedem Besucher: 'Erkenne Dich selbst'. Hierin mag die Grundvoraussetzung des Glücklichseins liegen: Seien Sie selbstachtsam, werden Sie Spezialist für Ihr eigenes Leben. Lernen Sie eigene Bedürfnisse, Werte und Ziele kennen und entwerfen Sie Wege, mit ihnen in Einklang zu leben.  
Machen Sie sich möglichst frei von allem Fremden in Ihren inneren Leitfäden. Die Identifizierung von 'inneren Antreibern', die im Grunde nicht die eigenen sind, ist nicht immer ganz einfach, lohnt sich jedoch enorm, da für das Erfüllen fremder Ziele sehr viel mehr Energie benötigt wird, als für das Erfüllen eigener Ziele.
 Achten Sie darauf, in welchen Momenten Sie sich gut fühlen. Spricht wirklich etwas dagegen, sich häufiger mit dem zu beschäftigen, das Sie in diesen Momenten tun? 
Bemerken Sie Ihre Erfolge und Stärken. Lernen Sie, sie zu benennen. 
Seien Sie echt. Unwahrheiten lasten auf jeder Seele. Fragen Sie sich, was Sie bräuchten um an der Stelle, an der Sie unehrlich sind, ehrlich zu sein. 

Wahres Glück kommt von innen nach Bormans (2011). The Book of Happiness. Köln: DuMont. S. 239

Vernachlässigen Sie Warnsignale Ihres Körpers nicht, pflegen und versorgen Sie ihn. Regelmäßig und ausreichend zu schlafen, zu essen, zu trinken und die eigene Körperkraft aktiv einzusetzen, schafft die biologischen Grundvoraussetzungen, angenehme Gefühle tief empfinden zu können.



 

Richten Sie den Blick immer wieder nach vorne. Fragen Sie sich, ob Sie glücklich wären, wenn Sie in fünf Jahren genauso leben würde wie heute. Wenn nicht, konkretisieren Sie, was genau anders sein soll. Und was genau verändert werden muss, um Zustände und Bedingungen wie gewünscht zu beeinflussen.



 

Nehmen Sie. Nehmen Sie sich Zeit für sich (jeden Tag!). Nehmen Sie sich das Recht heraus, berechtigte Forderungen zu stellen und Ihre Bedürfnisse zu äußern. Nehmen Sie Hilfe an.

 



Geben Sie. Geben Sie anderen Menschen das was Sie mehr haben als diese. Geben Sie anderen Menschen die Hilfe, die sie benötigen, um sich selbst helfen zu können. Geben Sie anderen Menschen die gleichen Rechte wie sich selbst.



 

Geben Sie Glück, wenn Sie es empfinden. Teilen Sie Ihr Glücksgefühl, kommunizieren Sie es. Das geht auch ganz leise. Und es lohnt sich: "Glück ist ein Parfüm, das Du nicht auf andere sprühen kannst, ohne selbst ein paar Tropfen abzubekommen" (Ralph Waldo Emerson).

 



Bleiben Sie neugierig. Machen Sie ab und zu etwas, dass Sie noch nie gemacht haben. Für manche Menschen sind Kinder hierfür ein gutes Modell.

Lieben macht glücklich

 

Suchen Sie die Gesellschaft anderer Menschen, werden Sie Teil eines sozialen Netzwerks - hier zählt Qualität, nicht Quantität.

Heiraten Sie. (Aber erst, wenn Sie sich selbst ziemlich gerne mögen)

Akzeptieren Sie, dass Sex keineswegs überbewertet wird, sondern ein zentraler Bestandteil des Lebens ist und die meisten Menschen glücklich macht.

Werden Sie älter.

Sie merken, dass viele dieser Anregungen vielleicht auf den ersten Blick banal klingen. Wenn man sich dann jedoch fragt, ob man sie wirklich bereits realisiert hat oder eine genaue Vorstellung davon hat, wie man sie in Zukunft realisieren kann, stoßen viele Menschen auf Hemmnisse, Grenzen und vielleicht Ängste und Konflikte.

Sollte dies der Fall sein und Sie das Bedürfnis verspüren, Ihren persönlichen Glückshemmnissen auf den Grund zu gehen und sie abzubauen, gibt es neben dem Zwiegespräch mit Familie und Freunden auch die Möglichkeit, einen Coach oder psychologischen Berater zu kontaktieren.

Ich wünsche allen Blog-LeserInnen, SeitenbesucherInnen, KollegInnen, PatientInnen und KlientInnen von Herzen schöne und selbstachtsame Feiertage ohne ,Oh Du schwierige...‘.

 

 

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So

11

Dez

2011

Leben in Alarmbereitschaft

Gewalterfahrung und emotionale Vernachlässigung in der Kindheit hinterlassen nicht nur gefühlte Spuren. Eine aktuelle Studie der Universität Münster zeigt mittels bildgebender Verfahren erstmals, dass bei gesunden Betroffenen noch Jahrzehnte nach den belastenden Ereignissen eine erhöhte Aktivität der zentralen Angststruktur im Gehirn (der Amygdala) zu beobachten ist. Darüber hinaus legen die Studienergebnisse nahe, dass jene Gehirnstrukturen gegenüber Vergleichspersonen verkleinert und damit in ihrer Funktionalität eingeschränkt sind, die maßgeblich an Lernen und Gedächtnis (Hippocampus) sowie der Regulation von Gefühlen (Stirnlappen) beteiligt sind. Je mehr kindliche Gewalterfahrungen oder Vernachlässigung die Probanden der Studie berichteten, umso stärker waren diese Unterschiede ausgeprägt. Diese Auffälligkeiten finden sich auch bei Personen, die an psychischen Störungen wie zum Beispiel Depressionen und Angsterkrankungen leiden. 

 

Die Folgen einer Hyperreaktivität der Amygdala können erheblich sein. Einer der federführenden Autoren der Studie, Privatdozent Udo Dannlowski erklärt: "Die Betroffenen fürchten sich schneller, haben einen stärkeren Schreckreflex, haben Angst vor Nähe zu anderen Menschen und sind im Alltag ängstlicher als andere Menschen." Sie führen ein Leben in Alarmbereitschaft.

 

Die möglichen psychologischen Folgen traumatischer Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind vielfältig beschrieben. Unterschiedliche Ansätze sehr verständig integrierend zum Beispiel im schematherapeutischen Konzept nach Jeffrey Young. Ein sogenanntes Schema entsteht vor dem Hintergrund einschneidender und/oder wiederholter Erfahrungen in Kindheit und Jugend. Man kann es sich vorstellen wie eine Art "Programm", das in vielen unterschiedlichen Situationen anspringt und (meist für die Person unbewusst) bedingt, dass wir die Situation in einer bestimmten Weise wahrnehmen und interpretieren, uns in einer bestimmten Weise fühlen und verhalten. Auch bedingt dieses Programm, wie wir zu anderen Menschen in Beziehung treten. 

Jeder von uns hat solche Schemata. Bei vielen Menschen sind sie so ausgestaltet, dass sie einer befriedigenden Lebensführung und der Erreichung persönlicher Lebensziele nicht im Wege stehen. Bei einigen Menschen sind sie jedoch eher unflexibel, lassen kaum Spielraum zu, sich einmal anders zu verhalten als es das Schema "gebietet". Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Erfahrungen in Kindheit und Jugend in Bezug auf die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse wie zum Beispiel sichere Bindung, Autonomie, Spiel, Orientierung und Kontrolle, ungünstig oder schädigend gewesen sind. 

Die oben skizzierten aktuellen Ergebnisse könnten einen Beitrag leisten, die neurobiologischen Grundlagen solcher Schemata zu erklären.  

 

Dass bestimmte Erfahrungen wie eingangs beschrieben messbare "Narben" im Gehirn hinterlassen können, bedeutet jedoch nicht, dass es nicht möglich ist, mit den daraus sich ergebenden Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens umgehen zu lernen.  Sollten sich aus ihnen beeinträchtigende Beschwerden ergeben, können diese im Rahmen einer spezifischen Psychotherapie, zum Beispiel der Schematherapie, in vielen Fällen gelindert oder überwunden werden. 

 

 

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So

04

Dez

2011

Click here to enter therapy

Therapie unabhängig vom Aufenthaltsort

Stellen Sie sich vor, Sie leben zeitweilig oder dauerhaft im Ausland, vielleicht mit einem völlig anderen kulturellen Hintergrund. Oder Sie müssen Beratungsprozesse immer wieder aufgrund beruflich bedingter Abwesenheiten unterbrechen. Oder Sie leben in einer Gesellschaft, die es insbesondere für Frauen unmöglich macht, sich an eine unabhängige Stelle zu wenden und sich beraten oder unterstützen zu lassen. Auch wenn Menschen aufgrund von Alter oder Krankheit körperlich eingeschränkt sind, kann es eine große Hürde bedeuten, eine solche Institution aufzusuchen. 

 

Das Internet bietet in den Bereichen Beratung und Psychotherapie wertvolle Perspektiven: unabhängig von Aufenthaltsort und Mobilität ist der Kontakt zu Fachleuten möglich. Die konkreten Anwendungsbereiche wachsen zunehmend. Von Angeboten, die auf eine Prävention psychischer Erkrankungen abzielen, über Nachsorge nach Abschluss einer Therapie bis hin zu vollständig online abgewickelten Beratungen und Therapien. Auch die Fortführung therapeutischer Kontakte während Klinikaufenthalten oder bei schwerer oder länger andauernder körperlicher Erkrankung wird leicht umsetzbar. 

 

Neben der Unabhängigkeit von Zeit und Ort bieten Online-Angebote über Speicherplattformen, Mail oder Chat den Vorteil, dass sie für viele Menschen ein etwas leichterer erster Schritt sein können, überhaupt Rat und Hilfe zu suchen, als einen Psychologen direkt aufzusuchen. Zum einen ist er pragmatisch einfacher umzusetzen, zum anderen fällt es vielen Menschen leichter über ihre Probleme und Belastungen zunächst zu schreiben, ohne ein unmittelbares Gegenüber zu haben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Probleme schambesetzt sind oder Unsicherheiten im Sozialkontakt bestehen. Auch wenn eine bestehende psychische Erkrankung, zum Beispiel eine Angststörung oder Zwangsstörung sehr stark ausgeprägt ist und es eine sehr große Belastung wäre, überhaupt das Haus zu verlassen oder fremde Menschen zu kontaktieren, kann eine Online-Beratung ein erster Schritt sein, der Betroffene dabei unterstützt, sich in eine konventionelle Therapie zu begeben. Letztlich profitieren auch Menschen, die sich in Bezug auf ihre Beschwerden oder Probleme nicht sicher sind, ob sie überhaupt einer Beratung oder Behandlung bedürfen. Oder aber, wenn es sich um Schwierigkeiten handelt, die eher punktuell und einmalig zu lösen sind, wobei man sich vielleicht professionelle Unterstützung wünscht. 


Den Therapeuten online treffen

Die von einigen Fachleuten zunächst befürchtete Einschränkung bezüglich des Aufbaus einer für eine erfolgreiche Beratung oder Therapie entscheidenden vertrauensvollen und positiven Beziehung zum Psychologen, scheint nach bisheriger Studienlage zum Thema nicht existent zu sein. Auch wenn der Kontakt nur schriftlich ist, entsteht eine tragfähige vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Ratsuchendem und Therapeut; ein Ausbleiben dieser Entwicklung ist bei Online-Prozessen nicht häufiger zu beobachten als in konventionellen Settings. 

 

Ganz sicher müssen jedoch bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein. Abzuraten ist von reinen Online-Kontakten ganz entschieden bei schwergradiger Symptomatik (mit der Ausnahme einer Übergangslösung bei oben genannten Ängsten und Zwängen), komplexen oder Mehrfach-Erkrankungen sowie selbstschädigendem Verhalten oder akuter Suizidalität beim Betroffenen. Sollten die ersten Kontakte Hinweise auf eine solche Konstellation geben, sollte unbedingt ein sofortiger Übergang in ein face-to-face Setting realisiert werden. 

Auch ist grundsätzlich von Angeboten abzuraten, die rein virtuell konzipiert sind, bei denen es also nicht zu Kontakten mit einem realen Psychologen, Arzt oder Psychotherapeuten kommt, sondern die Hinweise und Rückmeldungen durch ein Computerprogramm generiert werden. Derlei Angebote erwiesen sich in bisherigen Untersuchungen als weniger wirksam.

 

Auch hinsichtlich der Gewährleistung von Sicherheit und Integrität der übertragenen Daten sollten gewisse Standards erfüllt sein. Eine wertvolle Orientierung über Qualität, Güte und Sicherheit eines Angebots liefert im Beratungsbereich zum Beispiel das unabhängige Gütesiegel des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen BDP. 

Damit gewährleistet ist, dass der Berater Ihr Problem zuverlässig und qualifiziert einschätzen kann und in der Lage ist zu beurteilen, ob eine Online-Intervention ausreichend ist oder eine andere Form der Behandlung medizinisch notwendig ist, sollten nur Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte derlei Angebote durchführen oder zumindest als Supervisoren im Hintergrund auf die richtige Einschätzung einer Problematik achten.  

 

Deutsche Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für sogenannte E-Mental-Health Angebote bisher noch nicht, sie müssen vom Ratsuchenden selbst getragen werden. Eine Ausnahme bilden in der Regel wissenschaftlich im Rahmen von Wirksamkeitsstudien begleitete Therapien, wie zum Beispiel ein Projekt der Universität Leipzig für Menschen, die an einer Binge Eating Störung mit wiederkehrenden Essanfällen leiden. 

Informationen zu Online-Angeboten von psyberlin finden Sie bei Interesse hier

 

 

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So

27

Nov

2011

Oh Du schwierige ...

Einsame Weihnachten muss nicht sein!

... Stress oder Einsamkeit bringende Weihnachtszeit. 


Die Vorweihnachtszeit, der Advent und schließlich die Feiertage selbst: Zeit des Besinnens, der Rückschau, des Zusammenseins mit den Liebsten, der Freude und des Friedens.

Wenn jedoch eine Lebensphase mit weniger erfreulichen Erfahrungen und Erlebnissen zurückliegt oder sogar noch anhält, wenn die aktuellen Lebensumstände überschattet sind, wenn möglicherweise keine Angehörigen oder nahestehenden Menschen geblieben oder erreichbar sind oder die Beziehung zu ihnen durch Konflikte belastet ist, dann erleben manche Menschen diese besondere Zeit im Jahr als Bedrohung. 

 

Wenn es überall heißt, wie wunderbar es sein wird, Weihnachten im Kreise der Familie zu verbringen, wie gemütlich es werden wird, wie man voll Freude über gutes Essen und tolle Geschenke beisammen sein wird, dann schmerzt es denjenigen, dem kein solch (medial werbewirksam überzogen) frohes Fest bevorsteht. Gefühle von Einsamkeit werden durch diese massive Konfrontation mit zwischenmenschlicher Idylle verstärkt. Ein inneres Mantra  wie "Was soll's, ich schaue einen Film an und sage mir, es sei dasselbe wie irgendein anderer Abend im Jahr", funktioniert in der Regel weniger gut als erwartet. So einfach lässt sich ein Gehirn nicht austricksen, das jahrzehntelang gelernt hat, dass Weihnachten eben kein x-beliebiger Tag im Jahr ist - und das inzwischen nahezu unabhängig von seiner religiösen Bedeutung.

Es gibt aber nun einmal Lebenssituationen, in denen ein Zusammensein mit nahestehenden Personen schlichtweg nicht möglich ist. Wenn man bedenkt, dass allerdings nicht wenige Menschen von dieser Situation betroffen sind, lässt sich vielleicht ein Kompromiss finden. Versuchen Sie, sich für die Weihnachtstage zu verabreden. Suchen Sie, falls möglich und verfügbar, Freunde oder Bekannte auf, gehen Sie aus, oder suchen Sie vielleicht schon im Vorfeld über Internet oder Zeitung nach Menschen, die auch noch keine Pläne für die Feiertage haben. Vielleicht entsteht daraus sogar ein Kontakt, der die Weihnachtstage überdauert. In manchen gemeinnützigen Einrichtungen besteht auch die Möglichkeit, über Weihnachten ehrenamtlich mitzuarbeiten. Eine solche Erfahrung kann unter Umständen ein tiefes Gefühl von Sinn und Besinnung in Ihnen wecken. Vielleicht machen Sie den Heiligabend auf diese Weise - die Sie selbst ganz individuell nach Ihren Interessen und Bedürfnissen gestalten - zu einem wirklich besonderen Tag in Ihrem Leben, statt ihn nur "irgendwie über die Bühne zu bringen". Wenden Sie sich zur Vermittlung eines Ehrenamts für die Weihnachts- oder Vorweihnachtszeit zum Beispiel an die Diakonie oder das Ehrenamtsnetz Berlin

Sollten diese in der Tat nicht einfachen Vorbereitungen Sie organisatorisch oder emotional überfordern, können Sie sich im Vorfeld und auch an den Feiertagen selbst rund um die Uhr an den Berliner Krisendienst oder die bundesweite Telefonseelsorge wenden, um sich beraten und unterstützen zu lassen. 

Weihnachtsstress

Neben der Provokation von Einsamkeitsgefühlen weckt der oben beschriebene Weihnachtstrubel überhöhte Erwartungen bei denjenigen, die das Fest zwar mit Angehörigen verbringen werden, die sich nun allerdings unter besonderem Druck sehen, Weihnachten harmonisch und für alle zufriedenstellend zu gestalten. Dem tragen unter anderem die beiden verkaufsoffenen Sonntage im Berliner Advent Rechnung: zwei Tage mehr, um zumindest materiell alles Nötige zur Verfügung stellen zu können, was es zum frohen Fest vermeintlich braucht. Die Feier und das Essen werden geplant und vorbereitet, die Besuche organisiert und gegebenenfalls zeitlich genau aufeinander abgestimmt. Es braucht Dekoration, Essen und Getränke in hoher Qualität und Menge, das ideale Geschenk und last but not least sollten auch Frisur und Outfit zum Fest nicht versteckt werden müssen.

Nicht selten allerdings führen auch der schönste Baum und der zarteste Braten nicht zum ersehnten zwischenmenschlichen Frieden. Gerade vor dem Hintergrund der Erwartungen und des Drucks kommt es naturgemäß an den Feiertagen leichter zu Spannungen und Konflikten mit Familie oder Partner. Und die Enttäuschung ist umso größer, wenn es trotz aller Vorbereitungen und Bemühungen doch nicht "der perfekte Abend" wurde. 

Sollten Sie anfällig sein für den vorweihnachtlichen (Über-)eifer und die Sehnsucht nach dem idealen Abend, und sollten Sie vielleicht zu den Menschen gehören, die spätestens nach den Feiertagen Migräne oder andere körperliche oder seelische Beschwerden bekommen, versuchen Sie vielleicht in diesem Jahr eine paradoxe Intervention: Schalten Sie einen Gang zurück. Verzichten Sie neben den Weihnachtsvorbereitungen nicht auf das, womit Sie sich sonst ins seelische Gleichgewicht bringen, seien es Sport, Lesen oder Kinobesuche. Fragen Sie sich, was es für das eigentlich Wichtige an Weihnachten wirklich braucht. Und was nicht. Konzentrieren Sie sich auf dieses Wesentliche. 

Und tauschen Sie sich mit den Menschen, mit denen Sie zusammen sein werden über die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse aus. Damit reduziert sich zum einen die Wahrscheinlichkeit für unvorhergesehene Konflikte, zum anderen merken Sie möglicherweise, dass es "perfekt" für die meisten Menschen gar nicht sein muss - und es das perfekt gar nicht gibt. Vielleicht würde sich der eine oder andere sogar freuen, wenn es mal was Neues gäbe zu Weihnachten: zum Beispiel jeder Gast etwas zu einem bunten Buffet beisteuert, statt das einer alleine stundenlang am Herd steht ... 

 

Nutzen Sie diese Vorweihnachtszeit dafür, sich gut zu versorgen, Ihre Bedürfnisse kennenzulernen und den Dezember an jedem Tag - so wie es unter den gegebenen Umständen eben möglich ist - so zu gestalten, dass Sie sich so wohl wie möglich fühlen. 

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieses Artikels einen ruhigen und entspannten ersten Advent. 

 

 

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So

20

Nov

2011

Arbeit essen Seele auf - nicht immer, aber immer öfter

Die Belastung am Arbeitsplatz nimmt in manchen Branchen rasant zu. Druck und Anforderungen hinsichtlich Tempo, Kreativität und Gewinn steigen, während menschliche Aspekte, Übereinstimmung der Tätigkeit mit persönlichen Werten und Vereinbarkeit der Arbeit mit dem Privatleben zu verblassen scheinen.

 

So schildern viele von stressbedingten psychischen Beschwerden Betroffene ihre Arbeitssituation - geprägt vom Geist der Globalisierung und der Angst vor der Wirtschaftskrise. 

 

Die AOK berichtet zum Beispiel, dass der Anteil der Krankheitstage durch psychische Erkrankungen in den letzten 15 Jahren um 70 - 80 % gestiegen ist. Auch der Anteil an Frühberentungen wegen psychischer Krankheit liegt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung mit knapp 40% höher denn je - das Eintrittsalter in die Frührente hingegen niedriger denn je.

Diese Erkenntnisse sind begleitet von kontroversen Diskussionen um das im Jahr 2010 zunehmend in die Medien getragene Burnout-Syndrom. So berechtigt die kritische Betrachtung eines unwissenschaftlichen und inflationären Umgangs mit entsprechenden Begrifflichkeiten ist, so berechtigt ist auch die öffentliche Aufklärung bezüglich der Möglichkeiten zur Prävention von Störungen der psychischen Gesundheit. Dies auch aufgrund der Kosten für das Gesundheitssystem, zuallererst jedoch aufgrund der individuellen Beeinträchtigung und dem persönlichen Leid, das mit arbeitsbedingten psychischen Symptomen einhergeht. 

 

Was Sie als Arbeitnehmer tun können, um am Arbeitsplatz seelisch gesund zu bleiben, erfahren Sie bei Interesse am Samstag, den 26. November 2011 im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. In Zusammenarbeit mit dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit wird hier die Veranstaltung „Macht Arbeit krank? – Psychische Belastungen am Arbeitsplatz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos und bietet Laien die Möglichkeit, in direkten Austausch mit Experten für seelische Gesundheit zu treten.

Den Flyer zur Veranstaltung mit näheren Angaben finden Sie hier

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So

13

Nov

2011

Begierde, Zen und Yoga

Seit Donnerstag können Sie im Kino etwas über die Geschichte der Psychotherapie erfahren. Die vom Ringen um intellektuelle Überlegenheit auf der einen Seite, Autonomie und enge Verbindung auf der anderen Seite, von unterschiedlichen ethnischen Wurzeln und Standesdünkel herausgeforderte Freundschaft zwischen Mentor Sigmund Freud und (emporstrebendem) Lehrling Carl Gustav Jung bildet den Hintergrund dieser Geschichte. Nebenschauplatz und Versinnbildlichung grundlegender Annahmen der Psychoanalyse zugleich, ist die Affaire zwischen C.G. Jung und seiner jüdischen Patientin Sabina Spielrein, die anschließend selbst Psychoanalytikerin wurde und später im Zuge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion im Jahr 1942 hingerichtet worden ist. 

 

Der Laie mag durch den Film 'Die dunkle Begierde' (im Original 'A Dangerous Method') nicht gänzlich aufgeklärt werden über Methodik und Wirkmechanismen der psychoanalytischen Therapie, wohl aber klingt an, welchen Verdienst die Entwicklung der Psychoanalyse für Psychiatrie und Psychologie darstellt. 

Bevor Freud auf Existenz und Bedeutung unbewusster Inhalte des menschlichen Geistes hinwies, galten psychische Symptome in der Medizin seelischer Erkrankung als ausschließliches Produkt eines "Gehirndefekts", welcher als weitgehend unheilbar galt, weshalb Menschen mit seelischen Problemen und psychischen Erkrankungen zunächst wenig an die Hand gegeben werden konnte, ihre Beschwerden zu überwinden. Denn bis heute wissen wir zwar, dass neben psychologischen auch neurobiologische Faktoren bei Entwicklung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen eine Rolle spielen können, welche dies für einzelne Beschwerdebilder jedoch konkret sind, ist bis heute nicht erschöpfend bekannt. Durch Freuds Arbeiten wurde der bis dato rein medizinische Blick auf die Psyche erweitert um den Einbezug der Bedeutung von Gefühlen, Erinnerungen und psychischen Mechanismen, die der Verarbeitung und Bewältigung bestimmter Erlebnisse dienen. Auch die Bedeutung von Erziehung und Umgang mit Kindern rückte dank Freud in den Fokus des Interesses, er bewirkte die Anerkennung des Einflusses frühkindlicher Erfahrungen auf die spätere psychische Verfassung. Und dies, wie der Film verdeutlicht, gelang ihm trotz zunächst äußerst geringer Resonanz seiner Ideen außerhalb der Fachgemeinschaft. 

 

Heute wird die auf Freuds Arbeiten fußende Psychoanalyse und in Teilen auch ihre Weiterentwicklung, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, erneut kontrovers diskutiert, nichtsdestoweniger gehören beide Verfahren neben der kognitiven Verhaltenstherapie zu den wissenschaftlich und sozialrechtlich anerkannten Psychotherapieverfahren, deren Durchführung von Krankenkassen aufgrund bestehender Wirksamkeitshinweise finanziert wird. 

Beiden Verfahren gemeinsam ist ihre Begründung in der psychodynamischen Lehre vom Wirken unbewusster Prozesse, die sich insbesondere ergeben aus dem Bemühen, egozentrisch-lustbetonte Triebwünsche vorrangig sexueller Grundlage auf der einen Seite und überhöhte internalisierte moralische Normen und Standards auf der anderen Seite, in eine ausgewogene Balance zu bringen. Der Inhalt der Triebwünsche soll sich dem Konzept zufolge vorrangig speisen aus frühkindlichen Erfahrungen mit der Befriedigung libidinöser Impulse - zum Beispiel die Befriedigung durch lutschen und saugen in der sogenannten oralen Phase im ersten Lebensjahr. Wird diese versagt oder unangemessen bedient, kann eine Fixierung entstehen und auch der erwachsene Mensch wird weiterhin auf diese Art der Lustbefriedigung fokussiert sein, möglicherweise Raucher oder von einer anderen Substanz abhängig werden. Darüber hinaus sollen Symptome dadurch entstehen, dass von der Gesellschaft gemeinhin wenig akzeptierte Gefühle, wie zum Beispiel Wut auf die eigene Mutter, abgewehrt werden und sich so gegen die eigene Person richten können. Die psychodynamische Lehre ist weitaus komplexer als hier darstellbar, die hier genannten Annahmen bilden lediglich Fragmente ab, um einen Eindruck zu vermitteln.

Die Kontroverse um die daraus abgeleiteten Therapieformen ergibt sich daraus, dass beide Verfahren auf Annahmen der psychodynamischen Lehre beruhen, welche nicht auf wissenschaftlich fundierten Befunden fußt. Sie wurde im wesentlichen auf Grundlage der Beobachtung von Fallbeispielen formuliert, was nicht den Standards wissenschaftlicher Untersuchungen entspricht. Nichtsdestotrotz erweisen sich sowohl Psychoanalyse als auch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als wirksam in der Behandlung bestimmter psychischer Probleme, insbesondere leichter depressiver und ängstlicher Beschwerden sowie chronischer Probleme in der Bewältigung bestimmter Lebensaufgaben. Insbesondere die Psychoanalyse dient jedoch eher der grundlegenden Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit durch vertiefte Selbstkenntnis als einer zeitnahen Symptomreduktion. Tiefenpsychologisch fundierte Kurzzeittherapien können hingegen effektiv und praktisch orientierte Hilfe bei konkreten und aktuellen Einzelproblemen bieten. 

 

Integrative Therapie

 

Die theoretischen Annahmen und Wirkmechanismen der kognitiven Verhaltenstherapie sind dem psychodynamischen Ansatz gegenüber wissenschaftlich exakter fundiert, leiten sich aus empirischen Studien unter kontrollierten Bedingungen her und werden auch fortlaufend an diesen geprüft. Grundlegend geht die kognitive Verhaltenstherapie davon aus, dass Symptome dadurch entstehen, dass lebenslanges Lernen und neuronale Plastizität dazu führen, dass jeder Mensch bestimmte Grundannahmen und Schemata darüber entwickelt, wie er selbst, andere Menschen und die Welt sind und funktionieren. Diese Schemata können in manchen Fällen so ausgestaltet sein, dass sie zu eher ungünstigen Interpretationen bestimmter Lebens- und Alltagsereignisse führen, zum Beispiel eine Neigung besteht, Misserfolge der eigenen Unzulänglichkeit zuzuschreiben oder sich von Veränderung und Neuem leicht bedroht zu fühlen. Diese Schemata müssen uns nicht zwangsläufig bewusst sein, können aber dennoch das Verhalten, Denken und Fühlen prägen. Hierin besteht eine Parallele zur Psychoanalyse, wobei die kognitive Verhaltenstherapie davon ausgeht, dass die Inhalte der Schemata äußerst vielfältig sein können. Ein Bezug zu sexuellen oder libidinösen Inhalten und Erfahrungen wird nicht grundlegend angenommen. "Begierden" beziehen sich im integrativen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Konzept eher darauf, dass es bestimmte universelle Grundbedürfnisse gibt, deren Nichterfüllung oder nicht-angemessene Erfüllung zu psychischen Beschwerden führen kann, zum Beispiel die Bedürfnisse nach einer sicheren Verbindung zu anderen Menschen und einem gewissen Grad an Unabhängigkeit in der eigenen Lebensgestaltung.

Eine zweite Annahme der kognitiven Verhaltenstherapie besteht darin, dass Denken, Fühlen, körperliche Reaktionen und konkretes Verhalten wechselseitig miteinander zusammenhängen. Bestimmte Ereignisse oder Lebenssituationen führen dazu, dass vergangene Erfahrungen und die aus ihnen entstandenen synaptischen Netzwerke besonders stark aktiviert werden und damit auch die "Filter", die Wahrnehmung und Interpretation von Ereignissen beeinflussen. In diesem Falle würden verstärkt negative Gedanken wie zum Beispiel "Ich schaffe das sowieso nicht" auftreten, die dann auch einen negativen Einfluss auf Stimmung, körperliches Befinden (inklusive Schlaf und Appetit) sowie das Verhalten haben (zum Beispiel in Form von Rückzug von Kontakten und Aktivitäten). Die Therapie setzt auf allen Ebene an: Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen und Verhalten, welche - auch eine grundlegende Annahme - veränderbar sind, da sie auf Lernerfahrung beruhen. 

 

Auch hier haben sich in den letzten Jahren vielfältige Weiterentwicklungen ergeben. Zum Beispiel sind sich Verhaltenstherapeuten heute einig darüber, dass Grundhaltungen und Techniken aus dem Zen-Buddhismus wie zum Beispiel die Achtsamkeit im Alltag, die Übung einer grundlegend akzeptierenden Haltung sowie Entspannungstechniken wie Yoga psychische Beschwerden nachweislich lindern können. 

Vertiefende Informationen zur Verhaltenstherapie finden Sie bei Interesse hier sowie in der Beschreibung der einzelnen Krankheitsbilder im Infobereich.

 

Der Trend zum schulenübergreifenden Arbeiten, die interdisziplinäre Neugier und das Bemühen, Behandlungsansätze stetig weiterzuentwickeln, um möglichst vielen Menschen möglichst individuell helfen zu können, lässt die meisten Praktiker heute eklektizistisch arbeiten, sich also gemäß individueller Beschwerden der Betroffenen aus verschiedenen Therapieschulen bedienen, um möglichst maßgeschneidert helfen zu können. Eine systematische Integration unterschiedlicher Ansätze stellt die sogenannte Schematherapie dar, die Sie hier näher beschrieben finden. 

 

Ein langer Blog-Artikel, nichtsdestotrotz nur ein kurzer Einblick in die Vielgestaltigkeit therapeutischer Schulen und Ansätze - wie könnten sie simpler sein, beschäftigen sie sich doch mit dem Komplex der menschlichen Psyche. 

 

Sollten Sie selbst Orientierung suchen, kontaktieren Sie zum Beispiel den unabhängigen Informationsdienst Psychotherapie, um sich bezüglich der für Sie und Ihr Anliegenden passenden Methode professionell beraten zu lassen. 


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Do

10

Nov

2011

Alle 40 Sekunden

Suizidprävention

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Suizid vollzogen wird. Das rechtzeitige Erkennen von Hinweisen auf Suizidalität ist somit von größter Bedeutung und verlangt das Bewusstsein und das Engagement jedes Einzelnen. 


Die britische Forscherin Christabel Owens und ihre Kollegen befragten in einer aktuellen Studie Personen aus dem nächsten Umfeld von Menschen, die sich suizidiert haben, inwieweit es wahrnehmbare Anzeichen zunehmender Belastung im Vorfeld des Suizids gegeben hat. Befragt wurden Eltern, Partner, Geschwister, Freunde und Kollegen.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass das soziale Netzwerk Betroffener Anzeichen wachsender Belastung nicht bemerkt oder nicht als Ausdruck akuter seelischer Krise gedeutet hat - einerseits vor dem Hintergrund unzureichender Informiertheit, andererseits aufgrund von emotionalen Barrieren. Menschen, die sich mit lebensmüden Gedanken tragen, kommunizieren diese nicht immer direkt, was die treffende Einordnung zum Teil auch für Fachleute schwierig macht. Auf der anderen Seite räumten die befragten Personen aus dem sozialen Umfeld ein, dass sie Hinweise auf Belastung und Verzweiflung zum Teil innerlich bagatellisiert und sich eher auf positive Entwicklungen konzentriert haben.

 

Menschen aus dem direkten Umfeld einer suizidgefährdeten Person befinden sich in einer äußerst schwierigen Lage. Sie sind zum einen nicht geschult darin, auch subtile oder indirekte Hinweise auf Suizidalität richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren. Zum anderen sind sie emotional hochgradig involviert - die emotionale Bindung an einen Menschen kann es sehr schwer machen, Anzeichen einer lebensgefährlichen psychischen Ausnahmesituation zu erkennen - unter anderem, weil diese eine massive Bedrohung der Beziehung zum Betroffenen darstellt und die meisten Menschen eine nahestehende Person nicht irrtümlicherweise in eine unangenehme Situation bringen möchten, indem die mutmaßliche Lebensmüdigkeit offen angesprochen wird. 

 

Offene Ansprache und Informiertheit können jedoch Leben retten. Lesen Sie im Infobereich daher bitte mehr über das Thema Suizidalität und die wichtigsten Verhaltensweisen im Umgang mit einem betroffenen Menschen. Tragischerweise ist es auch vor dem Hintergrund fundierten Wissens im Bereich Suizidalität nicht immer möglich, einen Suizidversuch abzuwenden. Der Artikel und auch die kurze Zusammenfassung der Studie sollen nicht den Anschein erwecken, dass Aufgeklärtheit und guter Wille hinreichend zur Prävention des Suizids sind. Angehörige sind niemals verantwortlich für oder schuld an einem Suizid - sie haben zwar das Potential, ihn abzuwenden, allein weil sie nah an der betroffenen Person dran sind, der Umkehrschluss gilt hier allerdings keineswegs. Suizidalität ist eine psychiatrische Notfallsituation, deren Verlauf derart komplexen Mechanismen unterliegt, dass sie, insbesondere  für Laien, niemals vollständig überschaubar und kontrollierbar sein kann. Ein gewisses Bewusstsein für das Thema und für mögliche Warnsignale kann jedoch dazu beitragen, vielleicht irgendwann einmal zur richtigen Zeit das in diesem Moment am hilfreichsten Mögliche zu tun. 


Je mehr Menschen innerhalb einer Gesellschaft informiert und offen mit dem Thema Suizidalität umgehen, umso größer die Chance, Menschen in suizidalen Krisen rechtzeitig professionelle Hilfe anzubieten. 

 

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Do

03

Nov

2011

The time is now - Stiftung Warentest empfiehlt Nutzung des Kostenerstattungsverfahrens

Eine aktuelle Umfrage der Stiftung Warentest zeigt, dass ein Großteil der Inanspruchnehmer ihre Psychotherapie sehr hilfreich und positiv bewerten. 

Von 4.000 befragten Menschen mit seelischen Problemen empfinden knapp 80% die Psychotherapie als große Hilfe. Ein Großteil der Befragten gibt an, dass sich durch die Therapie ihr Selbstwertgefühl, ihr Umgang mit alltäglichem Stress und Problemen und ihre Arbeitsfähigkeit verbessert haben. 

 

Ein alarmierendes Ergebnis der Studie ist, dass circa 2/3 der Befragten erst ein Jahr nach Beschwerdebeginn psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Weil ein verzögerter Beginn die Behandlung erschweren kann, Betroffene in der verstreichenden Zeit leiden, deutliche Einschränkungen und manchen Verlust erleben, erscheint die Dauer der Latenz sehr hoch.

Da zu der genannten Zeit des Zögerns und Abwägens - oder der mangelnden Informiertheit über mögliche Hilfen - auch noch die langen Wartezeiten auf freie Therapieplätze hinzukommen, rät die Stiftung Warentest dringend zur Nutzung des Kostenerstattungsverfahrens nach § 13,3 SGB V, um in einer Privatpraxis möglichst unmittelbar eine Therapie aufnehmen zu können. Weitere Informationen zum Kostenerstattungsverfahren finden Sie hier. Gerne können Sie mich auch persönlich kontaktieren, um Näheres zu erfahren. 

Die Pressemitteilung zur Umfrage der Stiftung Warentest des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen finden Sie hier.

 

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Di

01

Nov

2011

Mutige Männer, die Kinder mehr lieben, als ihnen lieb ist

Das "Präventionsprojekt Dunkelfeld" ist ein innovatives Angebot für Männer, die sich ihrer pädophilen Neigung bewusst sind und mit Unterstützung von Therapeuten langfristig verhindern möchten, ihre Fantasien und Impulse in sexuellen Übergriffen auf Kinder in die Tat umzusetzen oder kinderpornographische Medien zu konsumieren. 

 

Das kostenlose therapeutische Angebot zur Prävention sexueller Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen und zur Senkung des Leidensdrucks betroffener Männer, ist neben Berlin auch in Ambulanzen in Kiel, Regensburg und Leipzig zugänglich, Anfang 2012 auch in Hannover und Hamburg.

Alle Kontakdaten sowie weitere Informationen finden Sie unter der Projekt-Homepage www.kein-taeter-werden.de, auf dem Projekt-Flyer sowie in dieser eingehender Kurzbeschreibung auf den Seiten der Berliner Psychotherapeutenkammer.

Die Konfrontation und Auseinandersetzung mit diesem nach wie vor gesellschaftlich tabuisierten Thema, der eigenen pädophilen Neigung, verlangt Mut und innere Stärke, vor der ich großen Respekt empfinde, und die ich mit diesem Blogeintrag würdigen und bestärken möchte. 

 

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So

30

Okt

2011

Brennen Sie ruhig weiter!

Eustress ist hilfreich!

Ein Burnout ist ein Burnout ist ein Burnout. Ein Beschwerdebild, das mit massiven körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen einhergeht und in manchen Fällen in einen Suizidversuch mündet. Nur eine anerkannte Diagnose ist es nicht. Daher geistern vielfältige Mythen und Missverständnisse über das Burnout-Syndrom durch die Medien und die Köpfe.

 

Depressive und Angstsyndrome werden genauso als Burnout missverstanden wie Zustände extremen Stresserlebens. Burnout ist jedoch nicht die Folge von Stress, ist keine stressbedingte Erschöpfung. Stress an sich ist erstmal etwas Hilfreiches, weil Stress notwendige physiologische und mentale Energie liefert, um Anforderungen zu meistern. Würden wir nie unter Stress geraten, befänden wir uns in einem Zustand permanenter Routine oder gar Unterforderungen, was auf lange Sicht ebenfalls zu psychischen und körperlichen Beschwerden führen kann wie eine Überforderung. 

Die optimale Basis für seelisches und körperliches Wohlbefinden ist ein ausgeglichenes Pendeln zwischen Leistung und Entspannung (dies verdeutlicht die grüne Ellipse in der Abbildung zu Distress und Eustress). 

Stress, der durch Überlastungssituationen natürlicherweise entsteht, regeneriert sich in Pausen und im Urlaub. Sprich: solange Sie regelmäßig runterkühlen, dürfen Sie ruhig weiter zünden und brennen. 

 

 

Stress: entscheidend ist die Balance Stress ist nicht gleich Stress

 

Eine ganz andere Form der Belastung entsteht, wenn Ziele oder Werte, die für einen Menschen persönlich von ganz entscheidender, ja existentieller Bedeutung sind, dauerhaft nicht erreicht oder realisiert werden können. Hier handelt es sich um eine vom Ursprung her gänzlich andere Art von Belastung als bei der stressbedingten Erschöpfung. Und hier liegt höchstwahrscheinlich der Kern eines Burnout-Syndroms. 

Was beide Zustände verbindet, ist ein ähnliches physiologisches Belastungsprofil, einhergehend zum Beispiel mit einer reduzierten Herzratenvariabilität (die Herzrate passt sich den gegebenen Umständen weniger an, sinkt zum Beispiel im Schlaf weniger stark ab), veränderten Neurotransmitter- und Hormonspiegeln und Inbalancen im Nährstoffstatus. Insgesamt findet man sowohl bei stressbedingter Erschöpfung als auch beim Burnout-Syndrom häufig ein höheres biologisches als reales Alter der Betroffenen. 


Burnout ist nicht einfach Stress

Beim Burnout reicht ein Urlaub nicht aus, um die Symptomatik zu beherrschen. Vielmehr ist anzuraten, sich in Bezug auf eine Lebensstiländerung psychologisch beraten und unterstützen zu lassen. Neben Verhaltensmustern in den Bereichen Ernährung und Bewegung, gilt es vor allem auch Wertesysteme, Grundüberzeugungen und die eigenen „inneren Antreiber“ zu identifizieren und kritisch zu reflektieren. In der Regel erwachsen überhöhte Ansprüche an sich selbst, verabsolutierte - also rigide und nicht verhandelbare - Ziele sowie eine ungesunde (weil unrealistische Anforderungen implizierende) Form von Idealismus der frühen Biographie und Lerngeschichte, weshalb sie in späteren Lebensphasen oftmals nicht mehr hilfreich sind. Sie benötigen der Überprüfung an der heutigen Realität im Hinblick auf ihren Nutzen und ihre Rationalität. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sie auch emotional von großer Bedeutung sind, weshalb eine psychologische Begleitung in dieser Phase unbedingt anzuraten ist. 

 

Eine langfristige Überwindung der Problematik (bzw. bereits ihre Prävention!) verlangt in aller Regel eine Änderung der inneren Haltungen und des individuellen Lebensstils. Auf der anderen Seite begünstigt die heute herrschende maximale Leistungsorientierung in vielen Unternehmen, die keinen Feierabend und kein Wochenende kennt, die Entstehung von Burnout-Beschwerden. Daher sind hier auch Unternehmen angesprochen, Kultur und Werte der Organisation zu überdenken und Strukturen zu schaffen, die den Mitarbeitern ermöglichen, realistische Ziele zu verfolgen und ein gesundes Maß an Anforderungen auf der einen Seite und Entspannung auf der anderen Seite im Alltag zu verwirklichen. Nicht immer kommen die überhöhten Ansprüche aus der eigenen Lerngeschichte - zuweilen sind Sie Unternehmensphilosophie. 

 

Neben überhöhten Anforderungen  können auch andere Faktoren dazu führen, dass man bei der Arbeit Eustress empfindet. Dies kann neben oben genannten Faktoren auch mit privaten Belastungen oder einer mangelnden Passung zwischen Jobmerkmalen und eigenen Interessen und Stärken zusammenhängen. 

Sollten Sie sich belastet fühlen, nehmen Sie gerne mit mir Kontakt auf, um den Ursachen auf die Spur zu kommen und gegebenenfalls Veränderungsprozesse einzuleiten. 

 

 

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Mo

24

Okt

2011

Trübe Tage, trüber Sinn?

Eine bestimmte Form der Depression, die sogenannte saisonal abhängige Depression (SAD) oder Winterdepression, tritt ausschließlich während den Monaten auf, in denen die Anzahl an Tageslichtstunden gegenüber Frühjahr und Sommer herabgesetzt ist. 

Der Zusammenhang zwischen Lichtmangel und depressiver Verstimmung ist für diese spezifische Unterform der Depression nachgewiesen. Die Einwirkung von Licht einer bestimmten Stärke ist unter anderem für die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin notwendig. Beide körpereigenen Substanzen sind am Ausgleich unserer Stimmungslage und der Fähigkeit, Freude und Glück empfinden zu können, beteiligt. Aus diesem Grund ist die sogenannte Lichttherapie mit speziellen Leuchtquellen einer Stärke von mindestens 2500 Lux ein zentraler Baustein in der Behandlung einer SAD. 

In Deutschland fühlen sich ca. 800.000 Menschen während der Wintermonate hinsichtlich Stimmung, Antrieb und Energie derart beeinträchtigt, dass Lebensqualität und Leistungsfähigkeit bedeutsam eingeschränkt sind. Hinzu kommen Menschen mit minderschweren, aber dennoch belastenden Beschwerden. 

 

Betroffene einer SAD sollten sich in fachärztliche und psychotherapeutische Behandlung begeben. 

Für diejenigen, die unter gewisser Stimmungstrübung und Energiemangel leiden, sich aber nicht deutlich in ihrem Alltag eingeschränkt fühlen, können jedoch schon kleine Maßnahmen dem Novemberblues entgegenwirken. Auch Betroffene einer SAD können durch bestimmte Verhaltensweisen einer erneuten depressiven Entwicklung entgegenwirken, was jedoch immer mit einem Arzt oder Therapeuten abgesprochen und durch spezifische Behandlungsstrategien ergänzt werden sollte. 

 

Das Berliner Bündnis gegen Depression empfiehlt, auch an grauen und trüben Tagen im Freien körperlich aktiv zu sein, sich auch im Winter täglich an der frischen Luft aufzuhalten und zu bewegen, da das Tageslicht eine deutlich bessere Wirkung auf die Stimmung hat als das gewöhnliche elektrische Licht in geschlossenen Räumen. Die Bewegung unterstützt die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin zusätzlich - Läufer kennen dieses Phänomen als individuell mehr oder weniger stark ausgeprägtes runner's high, das Glücksgefühl, dass sich im Laufe der Strecke einstellt. Sie müssen allerdings keinen Marathon laufen, um eine positive Wirkung zu erzielen! 

Betroffene einer SAD sollten, falls sie die Möglichkeit haben, durchaus auch einen Urlaub in südlichen Regionen in Erwägung ziehen - auf der Südhalbkugel ist die Auftretensrate der SAD aufgrund der veränderten Tageslichtrate drastisch niedriger als auf der Nordhalbkugel. 

 

Essen Sie Nüsse, Bananen, Linsen, Trockenfrüchte, Kartoffeln, Nudeln und Schokolade: die enthaltenen Kohlehydrate und Mineralstoffe fördern ebenfalls die Serotoninausschüttung. 

 

Sollten Sie alleine leben, verabreden Sie sich regelmäßig - soziale Kontakte und soziale Unterstützung schützen ebenfalls vor einer depressiven oder depressionsähnlichen Entwicklung. Einsamkeitsgefühle hingegen stehen nicht selten am Anfang einer solchen. Wenn Ihr Bekanntenkreis nicht so groß oder vor Ort sein sollte, versuchen Sie es doch mal mit einer Sportgruppe oder einem Verein in Ihrer Nähe, in dem Sie auch neue Kontakte knüpfen könnten. Auch bei öffentlichen Veranstaltungen Ihres Interesses oder gemeinnützigen Initiativen besteht die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen. 

 

Sollten Sie in Betracht ziehen, an irgendeiner Form der Depression zu leiden, lassen Sie sich diesbezüglich gerne persönlich beraten. Nur ein geringer Anteil der Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, wird rechtzeitig und adäquat behandelt. Eine verzögerte oder unzureichende Therapie kann sich jedoch negativ auf Lebensqualität und Verlauf auswirken. Es gibt sehr wirksame Behandlungsmethoden, die Ihr Leiden lindern können. Eine Depression ist nicht, wie häufig angenommen wird, nur eine Befindlichkeitsstörung, für deren Überwindung man sich bloß mal "zusammenreißen" müsste, sondern eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. 

 

Zum Abschluss etwas, was Sie vielleicht ebenso wie mich erheitern mag: ironischerweise wurde das Bild zum Artikel im Sommer dieses Jahres aufgenommen - die Tipps, gesund über Herbst und Winter zu kommen können also auch aus dieser Sicht ruhig das ganze Jahr beherzigt werden! 

 

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Sa

22

Okt

2011

Heartbreak can knock the wind out of any Calamity Jane

Liebeskummer und Trennungsschmerz auch körperlich nachweisbar

Warum helfen die gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Bekannten nach einer ungewollten Trennung von Partnerin oder Partner zunächst oftmals so wenig? 

Weil sie auch gegen eine Depression, einen Infekt, einen Kokainentzug oder eine Herzattacke nicht helfen würden. 

bei subjektiv empfunden übermäßig lange andauerndem Leiden kann das Aufsuchen einer professionellen Beratung hilfreich sein, diese sollte jedoch spezifisch auf die Besonderheiten der emotionalen Ausnahmesituation zugeschnitten sein. Keineswegs ist der Trennungsschmerz mit beschwichtigenden Floskeln abzutun, da klinisch bedeutsame Reaktionen auftreten können und derlei kritische Lebensereignisse unter bestimmten Umständen Auslöser für eine psychische Störung sein können.


Studien belegen, dass Liebeskummer und Trennungsschmerz eine extreme und sehr ernst zu nehmende Stresssituation sowohl für die Psyche als auch für den Körper darstellen. 

Psychisch leiden Menschen nach einer Trennung unter gedrückter Stimmung bis hin zu tief empfundener Trauer und Schwermut, herabgesetztem Selbstwertgefühl, Antriebs- und Lustlosigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlaf- und Appetitstörungen. Das  Bild kann einer klinischen Depression ähneln oder sogar gleichen. Manchmal treten in der als aussichtslos empfundenen Verlassenheitssituation auch lebensmüde Gedanken auf. Allerspätestens dann muss professionelle Hilfe aufgesucht werden! 

 

Diese psychischen Symptome werden (auch bei weniger stark ausgeprägtem Liebeskummer) von einer Reihe körperlicher Veränderungen begleitet. Unter anderem ist die Immunabwehr herabgesetzt, sodass es bei Liebeskummer leichter zu Infekten kommen kann. 

 

In einer aktuellen Studie einer Forschergruppe um Ethan Kross von der Columbia University in Michigan konnte gezeigt werden, dass wenn Personen, die vor kurzer Zeit eine ungewollte Trennung erlebt haben, ein Foto des Ex-Partners betrachten und sich die erlebte Zurückweisung vergegenwärtigen, Gehirnareale aktiviert sind, die auch in die Empfindung körperlicher Schmerzen involviert sind. Emotionaler und körperlicher Schmerz haben also ein gemeinsames physiologisches Korrelat.

Auch das Dopaminsystem, welches als "Belohnungszentrum" des Gehirns gilt und zum Beispiel durch Amphetamine und Kokain stimuliert wird, scheint beim Empfinden von Trennungsschmerz in ähnlicher Weise involviert zu sein wie beim Entzug von den entsprechenden psychoaktiven Substanzen.

 

Das "broken heart syndrome" ist inzwischen als Fachbegriff in die Medizin eingegangen. Wenn eine schmerzhafte Trennung plötzlich über einen Menschen hereinbricht, kann das Herz mit den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin überschwemmt werden, was zu Brustschmerzen mit Atemnot und in nach Studienlage seltenen Fällen durch Lahmlegung des Herzmuskels sogar zum Tod führen kann.

 

In Untersuchungen an Präriewühlmäusen, die für das Eingehen lebenslanger Partnerschaften bekannt sind, wurde zudem gezeigt, dass die Stresshormonregulation beim Eingehen einer Paarbindung zunächst stabilisierend beeinflusst wird, während sie bei längerfristiger Trennung von einem Partner zu entgleisen scheint. Diese Entgleisung geht mit einer drastisch reduzierten Aktivitätsrate des zurückgebliebenen Partners einher, welche als Analogon zu depressiver Antriebslosigkeit interpretiert wird.

 

 

Titel dieses Blog-Artikels: Zitat aus dem Blog von Amelia McDonell-Parry

 

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Di

18

Okt

2011

Macht Urlaub depressiv?

Ein erhöhtes Schlafbedürfnis, Gefühle von Überforderung und gedrückte oder gereizte Stimmung können ebenso wie Kopfschmerzen, Bauchbeschwerden und Rückenprobleme erste Anzeichen einer depressiven Entwicklung sein. 

 

Bei vielen Menschen rufen solche Veränderungen den Wunsch nach einer Auszeit und ausgiebiger Erholung hervor. Sicherlich ist der Titel dieses Artikels überzogen provokant formuliert - nicht zuletzt, um Ihre geschätzte Aufmerksamkeit auf das wichtige Thema Depression zu lenken. Allerdings können sich erste Symptome einer Depression im Urlaub tatsächlich verschlimmern. Dem ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf nachzugeben, kann zu einer Verstärkung des Wunsches nach Schlaf und Rückzug, der gedrückten Stimmung und auch eventuell vorhandener körperlicher Symptome führen, die in der Ferne zudem nicht durch gewohnte Strukturen und soziale Netzwerke aufgefangen werden kann. Aktuell warnt auch Experte Professor Hegerl von der Deutschen Depressionshilfe in der Presse vor der Suche nach Abhilfe gegen depressive Symptome durch die "Flucht in den Urlaub".

 

Ein ähnlich paradoxes Phänomen besteht darin, dass depressive Symptome sich im Frühjahr und Sommer verschlechtern können. Dies hat zum einen damit zu tun, dass lange Monate mit reduzierter Tageslichtexposition vorausgegangen sind. Zum anderen spielt ein gewisser Druck eine Rolle, der entsteht, wenn Sonne und Himmel um die Wette strahlen und das gesamte Umfeld darüber äußerst begeistert zu sein scheint. Die Diskrepanz zwischen den äußerlich so positiven Begebenheiten und dem eigenen von Niedergeschlagenheit und negativen Gedanken geprägten inneren Erleben, ist sehr groß. Die eigene depressive Stimmung wird dem Betroffenen bewusster und für Außenstehende weniger nachvollziehbar als die gleichen Beschwerden bei kalter, düsterer Witterung. Passend zu diesem Paradoxon ist nachgewiesen, dass die höchste Anzahl von Suiziden und Suizidversuchen im Frühling und im beginnendem Sommer zu beklagen ist. 

 

Anzeichen einer Depression rufen verständlicherweise den Wunsch nach einer Auszeit und nach Erholung hervor. Urlaub und Umgebungswechsel sind bei klinisch relevanten Symptomen jedoch keine adäquate Hilfe. Das Wissen um die möglicherweise paradoxe Wirkung eines Urlaubs kann davor bewahren, allzu enttäuscht oder schockiert über die langfristig ausbleibende Besserung zu sein und den Fehler gar bei sich selbst zu suchen.

 

Wenn Sie unter Veränderungen der Stimmung, des Schlafes oder des Appetits, Müdigkeit, Gefühlen von Überforderung, Hoffnungslosigkeit oder reduziertem Selbstwertgefühl, Konzentrationsstörungen oder ungeklärten körperlichen Beschwerden leiden, nehmen Sie gerne zum Zweck einer Beratung unverbindlich Kontakt zu mir auf. Näheres zum Thema Depression auch im Infobereich.

 

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So

16

Okt

2011

Da und nah

"Sie sind da und nah", diesen Kommentar trug letzte Woche eine Studentin in einem meiner Seminare bei zur Frage, was ihr spontan zu Menschen mit psychischen Erkrankungen einfallen würde. 

 

Leider denken und empfinden noch nicht alle Menschen wie diese Studentin. Die Stigmatisierung von Menschen, die an psychischen Störungen leiden, ist nach wie vor ein großes gesellschaftliches Problem. Sie beginnt in den Köpfen jedes Einzelnen, wenn er bei Konfrontation mit einem psychisch kranken Menschen Ablehnung oder Angst empfindet. Angst und Ablehnung entstehen in erster Linie vor dem Hintergrund mangelnden oder unvollständigen Wissens über ein bestimmtes Phänomen. 

Da Stigmatisierung nicht nur zu persönlichem Leid und sozialer Ausgrenzung von Menschen mit psychischen Störungen führen kann, sondern auch wesentlich dazu beiträgt, dass in mindestens 2/3 aller Fälle keine rechtzeitige professionelle Unterstützung aufgesucht wird, die chronischen Verläufen mit entsprechenden negativen Folgen für die individuelle Biographie entgegenwirken könnte, soll an dieser Stelle sowie im Infobereich der Homepage über Aspekte seelischer Gesundheit und psychischer Erkrankung informiert werden.

 

Heute ein Überblick über Ergebnisse einer aktuellen Studie der Uni Dresden zur Häufigkeit psychischer Störungen in Europa (bereits im September hier erwähnt), der die Aussage der Studentin auch durch methodisch sorgfältig erhobene empirische Daten untermauert: 

 

  • Jährlich leiden 38.2% aller EU-Einwohner (das sind ca. 165 Mio. Menschen*) an einer psychischen Störung.
  • Es zeigt sich eine ahnliche Häufigkeit über alle Altersstufen, auch unter Kindern und Jugendlichen sind psychische Störungen weit verbreitet.
  • Die häufigste Erkrankungen sind Angststörungen, Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Störungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung bei Kindern und Jugendlichen und Demenzen bei Menschen ab 60 Jahren.
  • Eine von vier Personen wird im Laufe ihres Lebens mindestens eine psychische Störung entwickeln.
  • Die sogenannte „DALY“-Rate (disability adjusted life years), also die Anzahl von Jahren, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung mit schwerwiegenden Einschränkungen verbracht wurde, ist bei psychischen Erkrankungen weit höher als bei Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Psychische Erkrankungen sind für 26% der gesellschaftlichen Gesamtbelastung durch Krankheiten verantwortlich (Kosten für Behandlung, Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung etc.).
  • Nur 1/3 der Betroffenen sind in adäquater professioneller Beratung oder Behandlung. 
  • Eine Therapie wird oftmals erst Jahre nach Erkrankungsbeginn begonnen und gemessen an internationalen Behandlungsleitlinen oft unzureichend durchgeführt.

 

* weltweit sind es 450 Millionen Menschen. 

 

Sollten Sie das Gefühl haben, wegen vielleicht zunächst auch unspezifisch wirkender Beschwerden eine Beratung oder Behandlung zu benötigen, nehmen Sie gerne unverbindlich persönlichen Kontakt zu mir auf. 

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Fr

14

Okt

2011

Kunst und seelische Gesundheit

Die Beschäftigung mit oder das Schaffen von Kunst und Kultur kann positive Effekte auf die seelische Gesundheit und das emotionale Befinden haben. 

Daher beschäftigen sich einige Veranstaltungen im Rahmen der Berliner Woche der seelischen Gesundheit mit der Verbindung zwischen psychischer Gesundheit und Kunst.

So zeigt zum Beispiel die Fliednerklinik im Rahmen einer Ausstellung von Patientinnen und Patienten während ihres Aufenthalts in der Klinik angefertigte Bilder. Die Ausstellung kann besichtigt werden am 19.10. ab 19 Uhr in der Fliednerklinik in Berlin Mitte. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

Psychische Erkrankungen könnten jeden Menschen treffen. Statistisch betrachtet, erkrankt jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Das Wissen  über psychische Erkrankungen, ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten ist längst nicht verbreitet genug, um einen so wichtigen Beitrag zur Prävention psychischer Erkrankung zu leisten - zum Beispiel indem rechtzeitig geeignete Hilfe aufgesucht wird, wenn Anzeichen einer Störung der seelischen Gesundheit vorliegen. Die Internationale Woche der seelischen Gesundheit setzt hier an und möchte eine breite Öffentlichkeit vertrauter mit dem Thema machen. 

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Di

11

Okt

2011

Infarktrisiko senken durch Stressreduktion

Eine aktuelle Studie der Ruhr-Universität Bochum berichtet, dass unter 229 befragten Führungskräften jede zweite eine mittelgradig hohe Erschöpfung erlebt, bei jeder vierten Führungskraft ist der Grad der Erschöpfung stark ausgeprägt. 

 

Die Auswirkungen dieser Erschöpfung haben nicht nur für die seelische Gesundheit negative Folgen, sondern gehen auch mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko einher. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Stress und Erschöpung auch die Immunabwehr schwächen und damit das Risiko für eine ganze Reihe schwerer Erkrankungen erhöhen. 

 

Die skizzierten Ergebnisse sind sicher nicht nur relevant für den Bereich der Führungskräfte. In der Studie erwiesen sich besonders der Gewinn- und der Innovationsdruck als belastend für die Befragten. Beides sind Aspekte, die in unserer heutigen Gesellschaft im Größeren oder Kleineren in immer mehr Bereichen eine entscheidende Rolle spielen. 

Mit den wachsenden sozialen, informations- und reizbezogenen, technischen und wettbewerbsorientierten Anforderungen der Umgebung, in der wir leben und an die eine irgendwie geartete Anpassung notwendig ist, bedarf es auch einer ebenso immer ausgefeilteren Aktivierung diesbezüglicher Ressourcen. Diese müssen nicht zwangsläufig ein immer mehr, höher, schneller und weiter zum Ziel haben, in jedem Falle verlangen sie aber Orientierung. Coaching und Beratung können in vielen Fällen eine hilfreiche Unterstützung bieten und die Entwicklung stressbezogener psychischer oder körperlicher Erkrankungen aufhalten. Für nähere Informationen nehmen Sie bei Interesse gerne Kontakt zu mir auf. 

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Mo

10

Okt

2011

Internationaler Tag der seelischen Gesundheit

Heute ist der internationale Tag der seelischen Gesundheit. Ziel des Gedenk- und Aktionstages ist es, das öffentliche Bewusstsein und die offene Diskussion zum Thema seelische Gesundheit zu fördern.

Neben dem allgemeinen Ziel, das Wissen über psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung zu erhöhen, um Stigmatisierung abzubauen und frühe Behandlung zu fördern, liegt in diesem Jahr international ein besonderer Schwerpunkt auf der Erhöhung der Aufmerksamkeit auf die Defizite der finanziellen und humanen Investitionen in die psychische Gesundheit - generell und insbesondere in Schwellen- Entwicklungsländern. Mehr Infos zu den Aktionstagen in Deutschland hier. Informationen über psychische Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten hier.

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Mi

05

Okt

2011

Internationaler Tag des Lehrers

Zum internationalen Tag des Lehrers berichten zwei Pädagogen in der Berliner Morgenpost, warum sie ihren Beruf trotz aller Widrigkeiten lieben und immer wieder wählen würden. Eindrücklich wird aber auch noch einmal auf die Umstände und Entwicklungen hingewiesen, mit denen Lehrerinnen und Lehrer zu kämpfen haben und ermahnt, nicht über die eigenen Grenzen hinauszugehen. 

 

Aus psychologischer Sicht sind Selbstfürsoge, Regeneration und Entspannung umso wichtiger, je höher und vielfältiger die Anforderungen im Berufsalltag. In besonderem Maße gilt dies für Berufe wie die des Lehrers, in denen man sich selbst als Person zur Verfügung stellt, um bei anderen Menschen, den Schülerinnen und Schülern, eine positive Entwicklung zu fördern. 

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Di

04

Okt

2011

Lehrerinnen und Lehrer am Limit

Die Leuphania Universität Lüneburg befragte knapp 1.300 Lehrerinnen und Lehrer im Alter zwischen 29 und 64 Jahren an 29 Schulen jährlich im Mai über drei Jahre hinweg zu ihrer Stressbelastung. 

59% der Befragten gab an, sich nicht vorstellen zu können, bis zur Rente im Schuldienst tätig bleiben zu können. Als zu groß werden Druck und Stress empfunden, die Gedanken an die Anforderungen in der Schule beherrschen auch in der Freizeit das Erleben vieler Lehrer. Entspannung und Erholung kommen zu kurz, sodass sich ein zunehmendes Überforderungserleben einstellt. 

 

Tatsächlich erreichten im Jahr 2009 auch nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes nur rund 40 Prozent der Lehrer die Regelaltersgrenze von 65 Jahren. Elf Prozent haben laut DAK mit 60 Jahren einen Antrag auf Frühpensionierung gestellt.

 

Mehr zur Studie aktuell in der ZEIT. Weitere Informationen zum Thema Lehrergesundheit sowie Hinweise auf Unterstützung und Hilfe finden Sie in der Navigation dieser Seite im Bereich Lehrerberatung

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Mi

28

Sep

2011

Erste repräsentative Studie zur Internetsucht

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, stellte vor wenigen Tagen die erste repräsentative Studie zur Häufigkeit von Internetsucht vor. Die Universitäten Lübeck und Greifswald kommen im Rahmen der PINTA-Studie (Prävalenz der Internetabhängigkeit) zu dem Schluss, dass 1% der 14- bis 64-jährigen Menschen in Deutschland die diagnostischen Merkmale einer Internetabhängigkeit erfüllen, 4.6% nutzen das Internet in problematischer, wenn auch nicht süchtiger, Weise. Den vollständigen PINTA-Bericht können Sie als pdf-Datei hier kostenfrei herunterladen.

 

Die Internetsucht gehört wie zum Beispiel auch pathologisches Glücksspiel oder Kaufen zu den sogenannten Verhaltenssüchten oder stoffungebundenen Süchten und ist einer kognitiv verhaltenstherapeutischen Behandlung gut zugänglich. Nähere Informationen zu Verhaltenssüchten und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie hier. Suchen Sie Rat oder Hilfe hinsichtlich Ihres eigenen Internetnutzungsverhaltens, nehmen Sie gerne unverbindlich Kontakt zu mir auf.

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Do

22

Sep

2011

"Vier Millionen Depressive in Deutschland - das kann nicht nur am Fernsehprogramm liegen!"

Mit diesem provokanten Satz wirbt Harald Schmidt als Schirmherr für die Initiativen der Deutschen Depressionhilfe

 

Die Deutsche Depressionshilfe fördert die Erforschung depressiver Erkrankungen, Hilfsmaßnahmen für Betroffene und die Vermittlung von Informationen zum Krankheitsbild in der Bevölkerung. Übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der Gesamtsituation depressiv erkrankter Menschen. 

 

In diesem Jahr organisiert die Deutsche Depressionshilfe in Kooperation mit der Deutschen Depressionsliga den 1. Deutschen Patientenkongress Depression für Betroffene und Angehörige, moderiert von Harald Schmidt. Stattfinden wird der Kongress am 02. Oktober 2011 im Gewandhaus Leipzig. 

 

Auf dem Kongress haben Betroffene und Angehörige die Möglichkeit sich umfassend zu informieren und auszutauschen. Workshops und Vorträge bieten den Rahmen, Begegnungen zwischen den Veranstaltungen können den Austausch vertiefen.

 

Zu näheren Informationen, Flyer und Anmeldung geht es hier.  

 

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Mo

19

Sep

2011

Tauziehen mit dem Monster

Manche Menschen leiden sehr stark und über sehr lange Zeit unter bestimmten Empfindungen und Gedanken oder der Art wie sich ihre zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder entwickeln.

Viele von ihnen strengen sich ungemein an, diese negativen Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrem Leben zu verbannen, sie endlich endlich loszuwerden. Und doch kommt die Angst immer wieder, das Leid wird mit der Zeit eher größer als schwächer. Es ist als wehrten sie sich gegen ein Monster, das sie an einem Tau über einen scheinbar bodenlos tiefen Abgrund zu ziehen versucht. Betroffene ziehen und zerren immer stärker und stärker, können sich vielleicht bereits nichts anderem mehr widmen als dem Tau, weil sie fürchten, in den Abgrund gezogen zu werden, sobald sie auch nur eine Sekunde lang nicht aufpassen. 

Je stärker sie aber ziehen, umso stärker zieht auch das Monster. Und Monster haben nunmal übermenschliche Kräfte, man rutscht dem Abgrund also immer näher. 

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie hilft Ihnen, neue Wege zu gehen. Sie hilft ihnen, das Tau loszulassen. 

Hier erfahren Sie bei Interesse mehr über die Akzeptanz- und Commitmenttherapie.

 

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Mi

14

Sep

2011

On on on - "On-Leid"

Wir sind alle online. Drahtlos und maßlos.

Einsam vernetzt und niemals game over?

Über Merkmale und Hilfsmöglichkeiten bei seelischen Beeinträchtigung durch suchtartige Nutzung von Internetangeboten und virtuellen Kommunikationskanälen informiert verständlich ein aktueller Artikel in der Zeit. 

 

Weitere Informationen auch im Infobereich von psy-berlin! 

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Di

13

Sep

2011

Woche der seelischen Gesundheit - No health without mental health

Am 10. Oktober wird jedes Jahr weltweit der Tag der seelischen Gesundheit begangen. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit organisiert mittlerweile traditionell in der Woche vom 10.-15.10. die Woche der seelischen Gesundheit. In vielen deutschen Städten finden spannende Veranstaltungen rund um das Thema psychische Gesundheit statt. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung eines Verständnisses von Störungen der seelischen Gesundheit zum Zweck der Entstigmatisierung und der Prävention. Die Auftaktveranstaltung zur Berliner Woche der seelischen Gesundheit steht ganz unter dem Motto "Wissen schafft Verständnis". Renommierte Experten vermitteln auch für Laien verständlich Wissen und aktuelle Forschungsbefunde zu verschiedenen Krankheitsbildern. 

10. Oktober 2011, 12:30 - 16:30 Uhr im dbb forum berlin, Friedrichstraße 169/170. Zum Flyer geht es hier

 

Das Gesamtprogramm der Berliner Aktionswoche finden Sie hier.

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Fr

09

Sep

2011

Dossier "Erfolg" zum kostenfreien Download

Wege zum Erfolg sind nicht auf Luftschlösser gebaut - sie bestehen vielmehr aus einer Kette handfester, realistischer und konkreter Schritte. Und das nicht nur im Beruf. Der Deutsche Psychologenverlag stellt momentan ein 36-seitiges Dossier zum Thema Erfolg als pdf-Download kostenfrei zur Verfügung. Hier geht's zum Download!

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Mi

07

Sep

2011

Aktuelles Seminar an der Deutschen Psychologen Akademie im Oktober

Flyer KVT bei Psychosen Paruch.pdf
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Mi

07

Sep

2011

Über 38% aller EU-Einwohner leiden an einer psychischen Störung

Aktuelle Studie berichtet alarmierende Zahlen zur Häufigkeit psychischer Störungen und unzureichenden Versorgung in Europa. Die Zusammenfassung und den Originalartikel zum Download stellt die Technische Universität Dresden hier zur Verfügung. 


Über psychische Erkrankungen, Risiken und Anzeichen für ihre Entwicklung informiert zu sein, trägt wesentlich dazu bei, psychische Störungen zu verhindern oder wenigstens ihre negativen Auswirkungen einzudämmen. Verständliche Fakten über Angststörungen, Depression und andere Erkrankungen im Infobereich von. 

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