Alle 40 Sekunden

Suizidprävention

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Suizid vollzogen wird. Das rechtzeitige Erkennen von Hinweisen auf Suizidalität ist somit von größter Bedeutung und verlangt das Bewusstsein und das Engagement jedes Einzelnen. 


Die britische Forscherin Christabel Owens und ihre Kollegen befragten in einer aktuellen Studie Personen aus dem nächsten Umfeld von Menschen, die sich suizidiert haben, inwieweit es wahrnehmbare Anzeichen zunehmender Belastung im Vorfeld des Suizids gegeben hat. Befragt wurden Eltern, Partner, Geschwister, Freunde und Kollegen.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass das soziale Netzwerk Betroffener Anzeichen wachsender Belastung nicht bemerkt oder nicht als Ausdruck akuter seelischer Krise gedeutet hat - einerseits vor dem Hintergrund unzureichender Informiertheit, andererseits aufgrund von emotionalen Barrieren. Menschen, die sich mit lebensmüden Gedanken tragen, kommunizieren diese nicht immer direkt, was die treffende Einordnung zum Teil auch für Fachleute schwierig macht. Auf der anderen Seite räumten die befragten Personen aus dem sozialen Umfeld ein, dass sie Hinweise auf Belastung und Verzweiflung zum Teil innerlich bagatellisiert und sich eher auf positive Entwicklungen konzentriert haben.

 

Menschen aus dem direkten Umfeld einer suizidgefährdeten Person befinden sich in einer äußerst schwierigen Lage. Sie sind zum einen nicht geschult darin, auch subtile oder indirekte Hinweise auf Suizidalität richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren. Zum anderen sind sie emotional hochgradig involviert - die emotionale Bindung an einen Menschen kann es sehr schwer machen, Anzeichen einer lebensgefährlichen psychischen Ausnahmesituation zu erkennen - unter anderem, weil diese eine massive Bedrohung der Beziehung zum Betroffenen darstellt und die meisten Menschen eine nahestehende Person nicht irrtümlicherweise in eine unangenehme Situation bringen möchten, indem die mutmaßliche Lebensmüdigkeit offen angesprochen wird. 

 

Offene Ansprache und Informiertheit können jedoch Leben retten. Lesen Sie im Infobereich daher bitte mehr über das Thema Suizidalität und die wichtigsten Verhaltensweisen im Umgang mit einem betroffenen Menschen. Tragischerweise ist es auch vor dem Hintergrund fundierten Wissens im Bereich Suizidalität nicht immer möglich, einen Suizidversuch abzuwenden. Der Artikel und auch die kurze Zusammenfassung der Studie sollen nicht den Anschein erwecken, dass Aufgeklärtheit und guter Wille hinreichend zur Prävention des Suizids sind. Angehörige sind niemals verantwortlich für oder schuld an einem Suizid - sie haben zwar das Potential, ihn abzuwenden, allein weil sie nah an der betroffenen Person dran sind, der Umkehrschluss gilt hier allerdings keineswegs. Suizidalität ist eine psychiatrische Notfallsituation, deren Verlauf derart komplexen Mechanismen unterliegt, dass sie, insbesondere  für Laien, niemals vollständig überschaubar und kontrollierbar sein kann. Ein gewisses Bewusstsein für das Thema und für mögliche Warnsignale kann jedoch dazu beitragen, vielleicht irgendwann einmal zur richtigen Zeit das in diesem Moment am hilfreichsten Mögliche zu tun. 


Je mehr Menschen innerhalb einer Gesellschaft informiert und offen mit dem Thema Suizidalität umgehen, umso größer die Chance, Menschen in suizidalen Krisen rechtzeitig professionelle Hilfe anzubieten. 

 

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